Antwort: Steigende Kosten im Gesundheitsmarkt und der Wunsch nach mehr Lebensqualität erfordern immer innovativere Entwicklungen.

Der Mensch von heute hat ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein und einen starken Willen nach Individualität und mehr Lebensqualität. Angesichts des Wunsches nach optimaler medizinischer Versorgung auf der einen, der steigenden Lebenserwartung und zunehmenden Alterung der Gesellschaft auf der anderen Seite, steht der Gesundheitssektor vor großen Herausforderungen.

Die Zunahme der Menschen, die eine umfangreiche medizinische Betreuung benötigen, und der daraus resultierende Kostendruck erfordern kreative Ideen. 

Die Zukunft liegt nach Ansicht des Prodekan des Fachbereichs Medizintechnik und Technomathematik der Fachhochschule Aachen, Prof. Dr. Karl Ziemons, in einer zunehmenden Miniaturisierung der Instrumente mit einer Steigerung der Mobilität. „Durch die Weiterentwicklung der Telemedizin werden wir keine ausgewiesenen Kompetenzen mehr an jedem Ort benötigen“, sagt er.

Dank IT-gestützter Übertragung wird es zukünftig möglich werden, vor allem ländliche Gebiete besser in die medizinische Versorgung einzubinden, und dabei nicht nur eine fachärztliche Betreuung sicherzustellen, sondern auch Kosten und Zeit zu sparen. 

Enge Vernetzung von Vorteil

Seit vielen Jahren ist die Fachhochschule Aachen auf dem Gebiet biomedizinischer Entwicklungen aktiv und vermittelt den Studierenden ingenieurwissenschaftliche Grundlagen und erforderliche Spezialkenntnisse.

Ob bildgebende Verfahren, wie in Röntgengeräten oder Kernspintomographen, lebensunterstützende Systeme, wie beispielsweise Herzschrittmacher oder Beatmungsgeräte, sowie viele Verbesserungen in der Diagnostik – all diese Entwicklungen wären ohne das in diesen Studiengängen vermittelte interdisziplinäre Wissen kaum denkbar. Doch erst die enge Vernetzung von Wissenschaft und Forschung ermöglicht es, theoretisch erworbenes Wissen in die Praxis zu übertragen.

Die Fachhochschule Aachen profitiert dabei seit Jahren von der Kooperation mit der Industrie und dem Forschungszentrum in Jülich. „Durch die unmittelbare Nähe zum Forschungszentrum haben wir hier einen entscheidenden strategischen Standortvorteil“, bringt es Prof. Dr. Volker Sander, Dekan des Fachbereichs Medizintechnik und Technomathematik, auf den Punkt. Neben der hervorragenden Infrastruktur bietet sich den Studenten die Möglichkeit zu Praktika und der Teilnahme an Forschungsprojekten.

Biosensor-Chip in der Erforschung

Zu den aktuellen Projekten der Fachhochschule gehört die Erforschung bioabbaubarer Materialien für klinische Anwendungen, wie beispielsweise Stents oder orthopädische Geräte. Viele Kunststoffe, die bereits für den klinischen Einsatz zugelassen sind, verlieren durch unerwünschte Nebenwirkungen an Leistungsfähigkeit. Daher besteht ein großes Interesse daran, einsetzbare Materialien zu verbessern.

Ziel der Forschungsarbeiten ist die Entwicklung neuer biologisch abbaubarer Biopolymere, die eine hohe Gewebeverträglichkeit besitzen, bestenfalls mit Hilfe eines polymertestenden Biosensor-Chips. Das kleine Halbleiter-Bauelement soll es ermöglichen, durch Auftragen einer speziellen Substanz, Ströme zu erzeugen und somit interpretierbare Ergebnisse zu liefern, die sich in Wissen überführen lassen. Aber auch in vielen anderen Bereichen ist diese Form der Transformation denkbar.

Der Trend weg von Großgeräten hin zu miniaturisierten, spezifischen und mobilen Kleinstgeräten wird weiter anhalten, weiß Prof. Ziemons. Die Ärzte bekommen zunehmend hochtechnische Instrumente an die Hand, mit denen es möglich wird, überall und jederzeit schnelle und sichere diagnostische Aussagen zu treffen.