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Die Krux mit dem Strom und wie eine nachhaltigere Stromversorgung aussehen könnte

Foto: petrmalinak via Shutterstock.com

Miete, Heizung, Wasser – Rechnungen bezahlen zu müssen, gehört zu den unangenehmen Dingen des Lebens. Und insbesondere beim Strom müssen Verbraucher derzeit nochmals tiefer in die Tasche greifen. Denn die Strompreise steigen. Kostete Strom 2015 in Deutschlands Privathaushalten noch im Schnitt 28,80 Cent pro Kilowattstunde, so erreichte der Preis laut dem Portal StromReport im ersten Halbjahr 2022 mit 37,14 Cent bislang seinen höchsten Wert. Der Grund dafür lässt sich nicht auf einen einzigen Aspekt zurückführen, sondern ist vielmehr das Ergebnis mehrerer Faktoren. Eine Rolle spielen dabei etwa folgende Gründe:

  • Nachfrage steigt: Nicht nur der Preis steigt, sondern auch die Nachfrage. Zum einen geht es hierbei um die Nachfrage ganz generell. Mehr elektronische Geräte bedeuten mehr Strom. Und diese Entwicklung zeichnet sich bereits seit Jahren ab. Die Nachfrage ist aber auch eng mit der Energiewende verbunden. Denn wir brauchen Strom heutzutage nicht mehr nur um den Fernseher anknipsen, das Smartphone bedienen oder die Wohnung mit Licht versorgen zu können, sondern Strom wird als Energieform auch für die Wärmeerzeugung oder im Verkehr immer bedeutsamer. Das heißt: Wir verwenden ihn künftig vermehrt für E-Autos, Wärmepumpen und Co. Denn all die Energie, die wir fürs Heizen, für den Verkehr oder die Industrie benötigen, kann nur „grün“ werden, wenn auch der dafür benötigte Strom aus erneuerbaren Energieträgern kommt. Zum anderen befinden wir uns momentan in einer besonderen Situation, die den Strompreis ebenso beeinflusst: Nach der Corona-Krise wurden die Anlagen in den Fabriken nun wieder hochgefahren und es wird wieder mehr produziert. Zeitgleich nehmen Aktivitäten wie Homeoffice zu, wodurch auch Privatpersonen mehr Strom benötigen.
  • Teures Erdgas: Vor allem im Winter spielte und spielt den Strompreisen ein weiteres Faktum in die Hände: Weil in der kalten Jahreszeit grundsätzlich weniger Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann, werden immer wieder Kohle- und Gaskraftwerke kurzzeitig aktiviert, um Versorgungslücken zu schließen. Doch die Stromgewinnung aus Gas ist aufgrund des aufwendigeren Prozesses teurer und durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine momentan auch von großen Unsicherheiten geprägt. Ebenso sind die Emissionszertifikate knapp, mit denen Betreiber von Gaskraftwerken ihren CO2-Ausstoß kompensieren müssen.
  • Teure Rahmenbedingungen: Hinzu kommt, dass auch jener Preis, den Stromanbieter an der Strombörse für kurzfristig bezogenen Strom bezahlen müssen, gestiegen ist. Dieser Einkaufspreis ist ebenso eng verbunden mit dem kostenintensiven Erdgas, denn er richtet sich nach der teuersten Herstellungsart, die noch benötigt wird, um der Nachfrage gerecht zu werden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei eben um Strom aus Gaskraftwerken. Außerdem wurden auch jene Gebühren, die Stromanbieter den Netzbetreibern zahlen müssen, damit sie auf ihre Infrastruktur zurückgreifen können, erhöht.
  • Stromanbieter unter Druck: Jeder Markt ist geprägt von Angebot und Nachfrage und dem Kampf um den billigsten Preis – so auch der Strommarkt. Doch durch die hohen Einkaufskosten schaffen es viele Stromanbieter derzeit nicht mehr, Kunden günstige Angebote zu machen. Vielmehr ist es bereits zu einer Herausforderung geworden, Bestandskunden mit den bisherigen Preisen halten zu können. Die Folge: Neukunden zahlen oft weitaus mehr und die Menschen sind daher weniger gewillt, sich nach einem neuen Anbieter umzusehen. All dies beeinflusst die generelle Marktdynamik.
Foto: 3rdtimeluckystudio via Shutterstock.com

Umdenken und Maßnahmen sind nötig

Strom ist aber nicht nur teurer geworden, sondern auch für ein Viertel aller Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Maßnahmen und Ideen, um den Stromverbrauch – vor allem jenen aus Kohle und Gas – zu senken, sind daher das Gebot der Stunde. Nicht nur, um Geld zu sparen, sondern auch um die CO2-Emissionen zu reduzieren und damit letztendlich der Umwelt Gutes zu tun. In Deutschland wurden 2021 in Summe allerdings nur 19,7 Prozent des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Zwar entwickelte sich der Anteil der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren positiv, aber er ist immer noch bei weitem zu gering. Deutschland will daher auf eine vollständig erneuerbare Stromversorgung setzen und hat dazu einen Fahrplan entwickelt. Demnach soll der Anteil des EE-Stroms bis 2030 auf 80 Prozent anwachsen. Spätestens im Jahr 2035 soll dann die Stromversorgung zu 100 Prozent erneuerbar sein, 2045 schließlich das gesamte Energiesystem. Und das alles ohne Atomenergie. Hierfür brauchen wir aber mehr „grünen“ Strom, also erneuerbare Energie. Diese hat einen entscheidenden Vorteil: Während bei der Verbrennung sehr viel Energie als Abwärme verlorengeht, wird Energie bei diesen Formen sehr viel effizienter eingesetzt. Das alles ist allerdings wiederum nur mit den entsprechenden Maßnahmen möglich. Und hierbei geht es nicht nur darum, Häuser zu dämmen, Heizungen effizienter zu machen, das Netz auszubauen, Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen zu bauen oder den Verkehr zu elektrifizieren, sondern auch Genehmigungsverfahren zu verbessern oder Produktionskapazitäten zu erhöhen. Darüber hinaus muss ein generelles Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, das System muss revolutioniert und neue Ansätze – wie etwa die folgenden – müssen eingebunden werden:

  • Fortschrittlichere Technologien: Die gute Nachricht: Auch wenn der Stromverbrauch steigt, so tut sich zeitgleich viel in puncto Innovationen. Der technische Fortschritt bleibt also nicht auf der Strecke und insbesondere eine fortschrittliche Leistungselektronik und Stromversorgungen sind ein essentieller Faktor zur Senkung von CO2-Emissionen. So braucht es für LEDs etwa hocheffiziente Treiber, damit diese auch wirklich ihr volles Potenzial bei gleichzeitig niedrigen Kosten entfalten können. Ebenso wurden Normen für Standby- und Volllastverluste eingeführt, um nicht unnötigen Strom zu vergeuden. Ein wichtiges Puzzleteil, um den Trend der erneuerbaren Energien voranzutreiben, werden auch weiterhin Hochleistungswechselrichter und -wandler sein, die leicht in smarte Netze und moderne Energiequellen eingebaut werden können. Und insbesondere im Verkehrssektor versprechen Automobilhersteller die Produktion gasbetriebener Fahrzeuge sukzessive zugunsten jener der E-Fahrzeuge zurückzufahren. Der Verkauf neuer Autos, die mit fossilen Brennstoffen über die Straßen rollen, wird in europäischen Ländern bis 2035 gar verboten sein und immer mehr Regierungen haben bereits steuerliche Anreize für den Kauf von E-Autos geschaffen.
  • Flexiblerer Strom: Aufgrund des derzeitigen Systems wird oft nach wie vor wertvolle Energie verschenkt. Denn wird gerade kein Strom erzeugt, werden beispielsweise Windräder gedrosselt oder ganz abgeschaltet. Brauchen wir jedoch mehr Strom, müssen Kohle- oder Atomkraftwerke kurzzeitig mehr produzieren. Besser wäre es, stromintensive Prozesse in der Industrie oder das Laden von E-Autos an Zeiten anzupassen, in denen auch viel Strom zur Verfügung steht und das Netz wiederum zu anderen Zeiten zu entlasten. Auch Stromspeicher werden an Bedeutung gewinnen.
  • Stromimport und -export: Bundesländer und länderübergreifende Kooperationen und Innovationen gibt es mittlerweile etliche – warum nicht auch beim Thema Strom stärker zusammenarbeiten? Denn womöglich scheint ein paar hundert Kilometer weiter südlich schon die Sonne, während im wolkenverhangenen Norden Strombedarf besteht. Der Austausch großer Strommengen könnte also wichtiger werden, vorausgesetzt die Netze ermöglichen ihn.
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