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Dr. Klaus Keysberg, Vorstandsvorsitzender von thyssenkrupp Materials Services, über Digitalisierungslücken, dynamische Netzwerke und „alfred“ – die neue KI.

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Dr. Klaus Keysberg

Vorstandsvorsitzender von thyssenkrupp Materials Services

Bitte blicken Sie für uns in die Zukunft: Wie wird Ihr Unternehmen im Jahr 2030 aussehen?

Die Technologie wird sich nochmals rapide weiterentwickeln. Daraus werden sich neue Möglichkeiten ergeben, Bestell- und Lieferprozesse im Sinne unserer Kunden weiter zu flexibilisieren. Hierbei kommt unser holistischer Digitalisierungsansatz zum Tragen, bei dem wir die komplette Wertschöpfungskette betrachten und bei der wir die letzten digitalen Lücken bis spätestens 2030 geschlossen haben werden. Erst mit einer vollständig digitalisierten Supply Chain können wir alle Daten aus den vielen unterschiedlichen Prozessen miteinander in Beziehung setzen. Damit werden wir in der Lage sein, Produkte und Services für die Optimierung der Supply Chain unserer Kunden zu entwickeln, sodass diese sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Was heißt das konkret?

Es bedeutet zum Beispiel, dass wir unsere logistischen Abläufe wesentlich dynamischer gestalten können. Jahrzehntelang haben wir im Werkstoffhandel mit statischen Netzwerken geplant. In Zukunft können wir dagegen für jede eingehende Bestellung prüfen, von wo aus wir das Material am besten liefern. Das muss nicht immer der nächste Standort zum Kunden sein. Vielleicht ist es für uns gerade wichtiger, ein etwas weiter entferntes Lager in Betracht zu ziehen, weil wir dort kurzfristig freie Flächen benötigen. Oder der Kunde braucht eine Expresszustellung, weswegen eine bestimmte Route aufgrund der aktuellen Verkehrslage entfällt. Diese Parameter werden wir einbeziehen, um die optimale Lieferroute zu bestimmen.

Entscheidend ist, dass es uns gelingt, die heteroge­nen Bedarfe unserer Kunden
ef­fizient und für sie optimal zu be­dienen.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz (KI) dabei?

Eine immens wichtige! All diese Parameter einzubeziehen, ist eine extrem komplexe Aufgabe, die menschlich nicht machbar ist. KI hilft uns dabei, Prozesse zu optimieren und unseren Servicelevel weiter anzuheben. Denn eine KI ist in der Lage, wiederkehrende Muster in Millionen von Datensätzen zu erkennen und daraus beispielsweise Schlussfolgerungen zum Bestellverhalten zu ziehen. Mit unserer selbst entwickelten KI alfred können wir in Sekundenschnelle berechnen, welche Konsequenzen die Verlagerung eines Werkstoffs von A nach B für die Auslastung der Transportlogistik hat. Zudem arbeiten wir unter anderem gerade daran, unseren innerbetrieblichen Verkehr zu optimieren. Zukünftig sollen sämtliche Transportwege verbessert werden. Wir gewinnen also Insights, die uns dabei helfen, langfristig die Wettbewerbsposition auszubauen und zugleich näher an unsere Kunden zu rücken.

Sie arbeiten weltweit mit 250.000 Kunden zusammen. Sind die Anforderungen an die Digitalisierung von Geschäftsprozessen nicht sehr heterogen?

Unser Kundenstamm ist in der Tat sehr breit. Das reicht vom familiengeführten Dachdeckerbetrieb, der seine benötigten Materialien per Fax bestellt, bis zum Flugzeugbauer, der seine gesamte Lieferkette für Aluminium und Titan mit mehr als 500 Teilelieferanten komplett über uns abwickelt. Die digitale Transformation hat in beiden Fällen einen sehr unterschiedlichen Stellenwert. Das darf sie auch. Entscheidend für uns ist, dass es uns gelingt, die heterogenen Bedarfe unserer Kunden effizient und für sie optimal zu bedienen. Deswegen haben wir im vergangenen Jahr beispielsweise unser Omnichannel-Konzept eingeführt, das jedem Nutzer die Möglichkeit gibt, auf seinem bevorzugten Vertriebskanal zu bestellen. Dies, im Zusammenspiel mit intelligenten Lösungen wie der KI alfred, führt dazu, dass alle Kunden in puncto Effizienz und Flexibilität von der Digitalisierung unserer Prozesse profitieren.

Was werden die nächsten Einsatzfelder sein?

Eine Konsequenz, die sich unmittelbar aus unserer holistischen Digitalisierungsstrategie ergibt, ist, dass wir unser Geschäftsmodell systematisch weiterentwickeln. Denn die Erkenntnisse, die wir aus der Optimierung und Digitalisierung unserer Prozesse gewinnen, sind auch für unsere Kundenlösungen sehr wertvoll. Das wollen wir nutzen, um künftig neben dem klassischen Werkstoffhandel weitere maßgeschneiderte Supply
Chain Services anzubieten. Im besten Fall sagt uns der Kunde dann beispielsweise nur noch, welche Bauteile er wann produzieren möchte. Wir ermitteln daraus seinen Bedarf und unterstützen ihn in allen Bereichen: von der Logistik über das Bestandsmanagement bis hin zur Analyse seiner Prozesse. Wir steigen also tiefer in die Welt unserer Kunden ein und unterstützen sie effizient dabei, die eigene Lieferkette zu planen.  

Foto: alfred, künstliche Intelligenz (KI) by thyssenkrupp

ALLES ÜBER ALFRED

Profil alfred ist eine künstliche Intelligenz (KI) und beschäftigt sich wie sein Namensgeber Alfred Krupp mit systematischer Prozessoptimierung. Er kann Strukturen besser verstehen und auswerten als jeder Mensch: Wer von ihm wissen möchte, wie sich 30 Werkstoffe optimal auf 20 Materialläger verteilen lassen, erhält binnen Sekunden eine Empfehlung. Dass das Rechenbeispiel bereits mehr Kombinationsmöglichkeiten zulässt, als es Atome im Universum gibt, beeindruckt seine Kollegen. alfred selbst lässt es völlig kalt.
 
Vita alfred wurde in einer Technologiepartnerschaft mit Microsoft entwickelt. Seine Intelligenz ist das Ergebnis von automatisiertem maschinellem Lernen, für das Microsoft die cloudbasierte Plattform Azure bereitstellt. In den ersten Lebensmonaten wurde die KI mit Tausenden Trainingsdaten von thyssenkrupp Schulte in Deutschland gefüttert und wuchs sukzessive mit den gestellten Aufgaben, die mit jeder neuen Erkenntnis immer weiter zunahmen.
 
Umfeld Seinen Kollegen stellt alfred bei Bedarf visualisierte Datenanalysen, Simulationen und Empfehlungen zur Verfügung. Kundenkontakt hat er noch nicht – dennoch profitieren Kunden von den effizienteren Prozessen, die KI alfred mit seinen Analysen ermöglicht.
Mit rund 480 Standorten in mehr als 40 Ländern ist Materials Services der größte Werkstoffhändler & -dienstleister der westlichen Welt. Die Digitalisierung des Geschäfts erfolgt entlang der kompletten Wertschöpfungskette.
 
Beschaffung Eine cloudgestützte Einkaufsplattform erleichtert die Zusammenarbeit mit Lieferanten und ermöglicht beispielsweise die Auswertung von Lieferzeiten und -pünktlichkeit.
 
Lagerhaltung und Logistik Mit toii, der selbst entwickelten IIoT-Plattform zur Vernetzung des internen Maschinenparks, können Maschinen an allen Standorten der Welt miteinander kommunizieren – für optimierte, flexibel aufeinander abgestimmte Abläufe.
 
Vertrieb Im größten virtuellen Werkstofflager der Welt haben Kunden Zugriff auf mehr als 150.000 Produkte und Services an 271 Lagerstandorten weltweit. Seit der Einführung des Omnichannel-Konzepts ist der Zugang über Kundenportale, EDI-Schnittstellen und Onlineshops möglich.
 
Stetige Optimierung Als Bindeglied zwischen Beschaffung, Logistik und Vertrieb sorgt die KI alfred dafür, Liefergeschwindigkeiten zu erhöhen und die Servicequalität im Kundengeschäft zu verbessern.  

Erfahren Sie hier mehr über alfred!

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