Von Photovoltaik über Speicher bis zur Wärmepumpe: Carsten Herbert ordnet ein, welche Technologien für Privathaushalte wirklich relevant sind, warum Eigenverbrauch immer wichtiger wird und welche Rolle intelligente Steuerung im Energiesystem der Zukunft spielt.

Carsten Herbert
Energiesparkommisar, Diplom-Bauingenieur, Energieberater
Mehr Einblicke und Tipps auf der Website!
Was macht Ihrer Meinung nach ein zukunftsfähiges, energieeffizientes und gut vernetztes Zuhause aus?
Für die Zukunftsfähigkeit beim Wohnen braucht es zunächst nicht unbedingt Smart Home. Die großen Einsparpotenziale ergeben sich meist an anderer Stelle als da, wo es um die Vernetzung geht. Aber was man sehr gut beobachten kann, das sind die positiven psychologischen und sozialen Effekte, die sich durch smarte Systeme ergeben. Da wird Energiesparen fast zum Spiel, wenn Menschen z.B. die Erträge ihrer PV-Anlage in der App verfolgen und mit anderen vergleichen. Das nimmt der Thematik die Schwere und das ist in der Tat Gold wert!
Warum ist die Energieversorgung für Privathaushalte heute relevanter denn je – geht es dabei eher um Kosten, Klimaschutz oder um mehr Autarkie?
Die Relevanz der Energieversorgung war schon immer hoch, auch vor 100 und vor 1.000 Jahren. Verändert haben sich nur die Bedürfnisse. Vor hundert Jahren gab es z.B. in privaten Küchen noch keine elektrischen Kühlschränke. Heute sind sie seit Jahrzehnten Standard und aus keiner Küche wegzudenken. Durch die Digitalisierung kamen in den vergangenen Jahren immer mehr strombasierte Anwendungen hinzu.

Die Investitionsentscheidung der Menschen für Wärmewendetechnologien ist stets eine Mischung aus Autarkie, Klimaschutz und Kosten. Die Schwerpunkte variieren, aber die Wirtschaftlichkeit spielt meistens doch die Hauptrolle.
Eigenen Strom erzeugen und nutzen: Welche Rolle spielen Photovoltaik, Speicherlösungen und intelligente Steuerung für die Energiewende im eigenen Zuhause?
In den kommenden fünf Jahren steigt die Anzahl der PV-Anlagen, die nach 20 Jahren aus der Einspeisevergütung rausfallen von 25.000 (2025) auf 250.000 (2030). Die allermeisten dieser Anlagen werden weiterhin verlässlich Strom produzieren, der dann praktisch verschenkt werden muss, wenn er nicht selbst verbraucht werden kann. Mit Speichern kann man den Eigenverbrauch sehr einfach erhöhen. Speicherlösungen werden in privaten Haushalten daher ihren Boom nicht nur fortsetzen, sondern eine große Erfolgsgeschichte sein. Dieser Erfolg wird auch positiv auf den Absatz von E-Autos abstrahlen, die bidirektionales Laden ermöglichen.
Damit all das maximal effizient funktioniert, braucht es die smarten und intelligenten Regelungen. Zusammen mit dynamischen Stromtarifen haben wir dann ein wirklich zukunftsfähiges Energiesystem im Haus.
Welche konkreten Vorteile bieten smarte Heizsysteme, Wärmepumpen und intelligente Thermostate im Alltag der Verbraucher?
Bei den smarten Ventilen sind die größten Vorteile, dass man seine Heizung von überall aus steuern kann. Energiesparend kann es dann werden, wenn die Systeme den hydraulischen Abgleich automatisch übernehmen können. Der ist insbesondere in Verbindung mit Heizungswärmepumpen unerlässlich, gleichzeitig wegen des Fachkräftemangels im Heizungshandwerk aber nur schwer zu bekommen. So ein smarter Abgleich erspart den Aufwand rund um die Organisation und Durchführung erheblich. Da die Wärmepumpe ganz eindeutig das vorherrschende Heizsystem der Zukunft sein wird, sind smarte Lösungen die Grundlage dafür, dass die Energiewende in den dafür vorgesehenen Zeiträumen überhaupt geschafft werden kann.

Viele Verbraucher fürchten Technik- und Baustress: Wie gelingt der erste Schritt Richtung „Energiewende Zuhause“?
Klare Antwort: Nutzen Sie sämtliche Low Hanging Fruits. Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die wenig und manchmal sogar gar nichts kosten. Diese Maßnahmen reichen von Optimierung der Heizungseinstellungen über Nutzung von Wassersparenden Brausen, bis hin zu Dämmung von blanken Rohrleitungen und Hohlräumen im supergünstigen Einblasverfahren. Das Einsparpotenzial dieser geringinvestiven Maßnahmen liegt im Altbau nicht selten in einer Größenordnung von 30 bis 40 Prozent.

Für mich sind diese geringinvestiven Maßnahmen um einen ein Türöffner, um auch die letzten Skeptiker zu erreichen, die glauben Energiesparen muss immer teuer sein. Und gleichzeitig könnten Sie die Energiewende rasant beschleunigen, wenn wir sie in möglichst vielen Haushalten konsequent umsetzen. Daher arbeite ich in Kooperation mit der Stiftung Warentest aktuell an einem Ratgeber, in dem alle Low Hanging Fruits zusammengefasst sind. Dieser Ratgeber mit dem Namen „Einfach Sanieren“ wird im Herbst dieses Jahres erscheinen.
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Energiesparen ist das Thema der Stunde, der Informations- und Beratungsbedarf ist riesig. Was ist eine Wärmepumpe? Muss man dicke Wände nicht dämmen? Welche DIY-Maßnahmen helfen sofort? Egal, ob man zur Miete wohnt oder in den eigenen vier Wänden Energie sparen will – Carsten Herbert stellt die wichtigsten Themen mit vielen Grafiken und Schaubildern für Laien verständlich und anschaulich vor. Die ideale Soforthilfe für eine warme und bezahlbare Wohnung.





