Batteriespeicher auf Natrium-Basis eignen sich zur Absicherung der Energieversorgung unter extremen Bedingungen. PHENOGY baut dabei auf “Made in Europe”.
Der jahrelange Krieg der US-Armee gegen leicht bewaffnete Aufständische in Afghanistan und im Irak erwies sich als tödlicher als der gegen Saddam Husseins Panzerarmeen. Eine besonders undankbare Aufgabe: Im Diesel-Truck durch die karge Landschaft zu fahren, um abgelegene Standorte mit Treibstoff zu versorgen. Eine US-Studie errechnete für Afghanistan: Statistisch führte jede 24. Nachschubfahrt zu einem toten oder verwundeten Soldaten.
Auch in der Heimat erweist sich Diesel zuweilen als Risiko fürs Militär. Das Lincoln Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT) deckt bei regelmäßigen Energy Resilience Readiness Exercises auf US-Basen immer wieder dieselbe Schwachstelle auf: Notstromsysteme, die während längerer Stromausfälle nicht nachversorgt werden können. Paradox dabei: Ausgerechnet die Tankanlagen selbst hängen oft nicht am Notstromkreislauf. Genug Diesel ist da, aber keiner kann ihn abpumpen.
Deutschland im Visier
Was in den USA inzwischen systematisch geübt wird, geschah in Deutschland ungeplant. Am 12. Februar 2024 fiel am ersten Dienstsitz des Verteidigungsministeriums auf der Bonner Hardthöhe für mehrere Stunden der Strom aus – die Notstromanlage sprang nicht ein. Die genauen Ursachen gab das Ministerium nicht preis.
Unabhängig vom Blackout in Bonn, dessen Umstände nicht öffentlich bekannt sind, ist klar, wie sehr sich die Bedrohungslage in Deutschland verschärft hat. Das zeigen Angriffe wie der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar 2026 und zuletzt versuchte Sabotageakte unter anderem auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Als wichtigster finanzieller Unterstützer der Ukraine im Abwehrkrieg gegen Russland erlebt Deutschland zudem eine Vielzahl hybrider Angriffe, deren Ursprung sich häufig nicht sofort und eindeutig belegen lässt.
Ein Baukasten mit Batterie
Wie in den USA wird auch in Deutschland und ganz Europa über die Sicherung der Energieversorgung diskutiert. Der 2024 erstmals vorgelegte „Operationsplan Deutschland“, das Rahmenwerk der Bundeswehr, denkt zivile und militärische Resilienz systematisch zusammen – kritische Infrastruktur gilt darin als strategische Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit. Für die Bundeswehr, so Verteidigungsminister Boris Pistorius, sei es elementar, dass sie ihre Standorte auch bei Ausfall externer Energiequellen autark und resilient betreiben könne: „Nur so bleibt unsere Verteidigungsfähigkeit gesichert.“
Zur Absicherung der Stromversorgung empfehlen Experten ein Baukastenmodell: Im Heimatland bleibt das zivile Netz die Basis. Für Feldlager erforscht das EU-geförderte Projekt NOMAD seit 2023 alternative Energiespeicher. In beiden Fällen setzt sich zunehmend derselbe Mix durch: Photovoltaik, Batteriespeicher und bei Bedarf weiterhin Diesel.
Im Zentrum der Entwicklung steht eine Zellchemie, die den Sprung aus dem Labor ins Feld geschafft hat: Natrium-Ionen-Batteriespeicher. Zwei Fragen sind zu klären: Warum Batteriespeicher statt Diesel – und warum ausgerechnet Natrium-Ionen?
Robust genug für den Ernstfall
Dass Diesel seine Tücken hat, liegt auf der Hand: Wer auf Nachschub angewiesen ist, macht seine Versorgungslinie zum Ziel. Je nach Standort können Solaranlagen gekoppelt mit Batteriespeichern das Nachschub-Risiko spürbar mindern oder Dieselkonvois sogar komplett überflüssig machen. Bei der Wahl der Batteriespeicher gibt es mit Natrium-Ionen-Technologie eine resiliente Alternative zu Lithium-Ionen, die jetzt reif für den Markt ist.
Wird eine Batterie im Einsatz durch Beschuss oder Splitter beschädigt, kann sie bei Lithium-Zellen in Brand geraten oder explodieren – in Tests schossen beschädigte Zellen auf über 1.000 Grad hoch, Natrium-Ionen-Zellen dagegen nur auf rund 265 Grad. Ein weiterer Vorteil zeigt sich schon vor dem Einsatz: Natrium-Ionen-Zellen lassen sich vollständig entladen, ohne Schaden zu nehmen. Lithium-Zellen dürfen das aus technischen Gründen nie, weshalb beim Transport – etwa im Flugzeug – stets ein Restrisiko bleibt.
Liefert bei Hitze und Schnee
Extreme Temperaturen sind für Lithium-Zellen ein Problem: Bei Hitze und Kälte sinkt ihre Leistung spürbar, meist ist aktives Thermomanagement nötig, um sie einsatzfähig zu halten. Natrium-Ionen-Zellen zeigen sich deutlich robuster, im Bereich von minus 20 bis plus 60 Grad, oft genügt Luftkühlung. Das macht sie sowohl für schneebedeckte Feldlager in nordischen NATO-Ländern als auch für Wüsteneinsätze interessant.
Dieselgeneratoren haben zwei weitere Nachteile: Sie sind laut, und sie erzeugen Abwärme, die sie per Wärmebildkamera leicht auffindbar macht – Batteriespeicher sind akustisch wie thermisch unauffälliger.
Chance auf „Made in Europe“
Herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien benötigen Lithium und Kobalt – Rohstoffe, deren Verarbeitung und Lieferketten stark von wenigen Ländern kontrolliert werden, allen voran China. Natrium dagegen ist das sechshäufigste Element der Erdkruste und auch in Europa verfügbar. Das Militär hat dieses Risiko erkannt: Die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten gilt inzwischen als sicherheitsrelevantes Thema, das in Fachkreisen offen diskutiert wird.
Ebenso entscheidend ist, wer die fertigen Systeme baut. Die weltweite Produktion von Lithium-Ionen-Batterien wird von China dominiert. Europa hat jetzt die Chance, eine neue Batterieindustrie von Anfang an selbst aufzubauen. Unternehmen wie PHENOGY bringen entsprechende Systeme inzwischen in die industrielle Skalierung und schaffen damit eine europäische Alternative zu etablierten Batterie-Lieferketten.
Resilienz als strategische Notwendigkeit
Natrium-Ionen-Batteriespeicher sind keine Universallösung für alle Fälle. Doch als robuster Baustein einer Energieversorgung, die weder von Treibstoffkonvois noch von einer einzigen Lieferkette abhängt, gewinnt die Technologie an Relevanz. Ob im Krankenhaus, im Feldlager oder im Operationsplan Deutschland: Wer über resiliente Stromversorgung nachdenkt, kommt an Natrium-Ionen-Technologie nicht vorbei.
PHENOGY auf einen Blick
PHENOGY entwickelt Batteriespeichersysteme auf Basis von Natrium-Ionen-Technologie – gegründet 2019, mit Hauptsitz in Root bei Luzern (Schweiz) sowie Standorten in Bremen, den USA und Singapur.
2025 hat PHENOGY in Bremen Europas ersten Natrium-Ionen-Großspeicher in Betrieb genommen. 2026 wurde das Unternehmen mit dem The smarter E AWARD ausgezeichnet. Inzwischen geht PHENOGY mit eigenen Batteriespeichern im Container- und Cabinet-Format aktiv in den Markt.
Gemeinsam mit Partnern baut PHENOGY derzeit eine Fertigung in Deutschland und Europa auf, perspektivisch auch in den USA – mit dem Ziel, künftig vollständig regional zu produzieren und unabhängig von Lieferketten aus weit entfernten Weltregionen zu werden.
Sie möchten mehr erfahren?
Mehr über die Technologie und das Unternehmen unter: