Im März 2026 begann die Einführung des VR-Handlungstrainers bei Spezialkräften und spezialisierten Kräften der Bundeswehr. Die neue digitale Plattform von HOLOGATE führt die militärische Ausbildung in die nächste Generation.
Neue Bedrohungslagen, unbemannte Systeme, künstliche Intelligenz und immer komplexere Einsatzszenarien verändern die Anforderungen an die militärische Ausbildung grundlegend. Der Mensch und seine militärischen Fähigkeiten stehen jedoch nach wie vor im Zentrum des Gefechts. Neue Technologien und Verfahren müssen schnell aufgegriffen und verinnerlicht werden, um Soldatinnen und Soldaten auf verschiedene Einsatzszenarien vorzubereiten.
Der Virtuelle Handlungstrainer wurde gemeinsam mit der Bundeswehr entwickelt. Im Auftrag des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und in enger Zusammenarbeit mit der Wehrtechnischen Dienststelle 91 entstand eine digitale Ausbildungsplattform. Dabei wurde die Plattform kontinuierlich an die Anforderungen moderner militärischer Ausbildung angepasst und beginnend ab März 2026 für die Bundeswehr beschafft.
Einsatzrelevant und maximal real
Die digitale Plattform verbindet erstmals immersive Trainingsszenarien, Simulation und die realitätsnahe Einbindung einsatzrelevanter Ausrüstung in einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur. Soldatinnen und Soldaten trainieren mit denselben Einsatzmitteln, die sie auch im realen Einsatz verwenden. Das Spektrum reicht vom neuen Sturmgewehr G95 über Einsatzmittel der Feldjäger wie Schlagstock, Taschenlampe, DEIG, Reizstoffsprühgerät und Handfesseln bis hin zu medizinischer Ausrüstung, Handgranaten und Knicklichtern. Jede Übung lässt sich vollständig digital auswerten. Bewegungen, Kommunikation, Entscheidungen und taktische Abläufe werden objektiv erfasst und analysiert. Dadurch werden Ausbildungsergebnisse messbar. Verfahren können validiert und taktische Konzepte gezielt weiterentwickelt werden.
„Die militärische Ausbildung und Beübung unserer Soldatinnen und Soldaten in der virtuellen Realität ist ein Meilenstein. Was HOLOGATE im Auftrag des BAAINBw entwickelt hat, trifft den akuten Bedarf an einer modernen, flexiblen, bedarfsgerechten und gefechtsrealen Ausbildungs- und Übungslandschaft, und das vollständig im digitalen Raum. Mit den ersten Systemen für Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte erhalten diese nun die Möglichkeit, eigene Anwendungsszenarien zu entwickeln und so letztendlich ihre Einsatzbereitschaft auf ein noch höheres Niveau zu heben. ‚Train as you fight‘ – diesem Grundsatz kommen wir mit dem virtuellen Handlungstrainer einen entscheidenden Schritt näher,“ so Generalleutnant a. D. Joachim von Sandrart, ehemaliger Kommandeur des Multinationalen Korps Nordost zur Einführung des virtuellen Handlungstrainers bei Spezialkräften und spezialisierten Kräften.
Immersive Trainings an jedem Ort
Die Plattform ermöglicht VR-Ausbildungsumgebungen für alle militärischen Bereiche der Bundeswehr, darunter Heer, Marine, Luftwaffe, Unterstützungskräfte (Feldjäger), Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte. Das System ist dabei hoch mobil: In Rollcases verpackt, lässt es sich aufwandsarm an jeden beliebigen Ort verlegen und in kurzer Zeit aufbauen. Das bedeutet, Sporthallen, Fahrzeughallen und andere Räume können als immersive Trainingszentren genutzt werden. Mehrere Nutzer bewegen sich dabei frei in derselben virtuellen Umgebung und interagieren miteinander.
Neue Ausbildungsplattform hat großes Potenzial
„Der Virtuelle Handlungstrainer führt die Ausbildung der Bundeswehr in die nächste Generation. Das Trainieren in der virtuellen Realität hält für Trainer und Schützen fast unbegrenzte digitale Möglichkeiten bereit. Dabei geht es nicht nur um die Schießausbildung. Verhalten, Gruppendynamik, Agieren unter Stress – bereits heute setzen Polizeikräfte in Deutschland und der Schweiz auf unsere Systeme. Wir freuen uns, jetzt mit der Bundeswehr die nächsten Schritte zu gehen – mit großem Potenzial für mehr!“, so Leif Petersen, Gründer und CEO von HOLOGATE.
Robert Fankhänel, COO und Co-Founder von HOLOGATE, ergänzt: „Der Vertrag mit der Bundeswehr und die Auslieferung der ersten Systeme sind ein wichtiger Schritt für das Unternehmen. Weitere sollen folgen: Schon heute kann unser System Drohnen jeglicher Größe und Bauart virtuell realistisch in den Szenarien darstellen. Diesen Bereich wollen wir gezielt für die Ausbildung von Drohnenpiloten, aber auch das Verhalten von Soldaten unter Drohnenbedrohung ausbauen. Hier sind uns im digitalen Raum keine Grenzen gesetzt.“
AUSBILDUNG FÜR DEN ERNSTFALL
Virtual Reality und KI halten Einzug in die militärische Ausbildung. Robert Fankhänel, ehemaliger Bundeswehroffizier und Mitgründer und COO von Hologate, spricht über Potenziale und Herausforderungen.

Robert Fankhänel
Ehemaliger Bundeswehroffizier und Mitgründer
und COO von Hologate
Herr Fankhänel, wo stößt die klassische militärische Ausbildung an Grenzen?
Viele Grundlagenübungen sind enorm aufwendig. Für ein Checkpoint-Training etwa braucht man Fahrzeuge, Material, Gelände und Personal. In VR kann ich solche Situationen ressourcenschonend vorbereiten und auch Explosionen oder andere Gefahren darstellen. Das ersetzt nicht den Truppenübungsplatz, aber die Soldaten kommen besser vorbereitet ins Realtraining.
Sie haben XR-Training gemeinsam mit der Bundeswehr über mehrere Jahre erprobt. Wo liegt der konkrete Mehrwert?
Entscheidend war, Evidenz zu schaffen. Das Feedback der Soldaten floss direkt in die Entwicklung ein. Ein großer Vorteil ist die Auswertung: In den Aufzeichnungen lässt sich nachvollziehen, wohin jemand geschaut, wann er geschossen und wie er reagiert hat. Das schafft eine präzisere Grundlage für die Nachbesprechung. Durch KI werden Szenarien dynamischer: Virtuelle Personen können mit den Trainierenden sprechen und auf ihr Verhalten reagieren. Der Ausbilder behält jedoch die Kontrolle darüber, wann eine Situation eskaliert oder deeskaliert. Die Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen.
DAS FEEDBACK DER
SOLDATEN FLOSS DIREKT
IN DIE ENTWICKLUNG EIN.
Im Ernstfall müssen Soldaten unter Stress entscheiden. Wie realistisch lässt sich das simulieren?
Wir können über Sensoren erkennen, wie sich das Stressniveau während einer Übung entwickelt, und Stressoren gezielt verändern – etwa Lärm oder zusätzliche virtuelle Akteure. Der Umgang mit Stress lässt sich so trainieren.
Bundeswehr und NATO-Partner müssen mehr Menschen schneller ausbilden. Welchen Beitrag kann XR dabei leisten?
Nehmen Sie Drohnen: Fähigkeiten, die schnell in der Breite benötigt werden, lassen sich virtuell trainieren. Ein Ausbilder kann mehrere Personen gleichzeitig und standortübergreifend trainieren. Das kann helfen, knappe Ausbildungskapazitäten besser einzusetzen.
Was muss auch künftig real trainiert werden?
Das Realtraining werden wir nicht ersetzen. Wenn neben Ihnen ein Panzer feuert, ist das ein anderes Stressniveau als in VR. Und auch Menschenführung und soziale Fähigkeiten lassen sich nicht einfach virtualisieren. Technologie kann Handlungsabläufe vorbereiten und festigen. Die entscheidende Verantwortung aber bleibt beim Menschen.

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