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Smart Living

Offen, flexibel, zukunftssicher: Worauf es beim Smart Home ankommt

Fotos: Stefan Kleen

Als Stefan 2011 gemeinsam mit seiner Frau ein Haus baute, war für ihn schnell klar: Ein klassisches Zuhause sollte es nicht werden. Den gelernten Kommunikationselektroniker faszinierte intelligente Haustechnik schon früh. Damals war das Thema Smart Home noch längst nicht so präsent wie heute, doch erste Lösungen gab es bereits. Aus Neugier und Begeisterung begannen Stefan und seine Frau, einzelne Bereiche ihres Hauses Schritt für Schritt zu automatisieren. Diese Leidenschaft für Technik, sein Wissen und seine Erfahrungen teilt Stefan unter anderem über YouTube, als Speaker auf Konferenzen und in seinem Podcast.

Stefan Kleen

Technik- und Smart-Home-Experte, YouTube Creator und Keynote Speaker

Mehr Einblicke und Tipps auf YouTube und Instagram!

Was genau ist eigentlich ein Smart Home?

Für mich bedeutet ein Smart Home weit mehr, als nur das Licht per Smartphone ein- und auszuschalten. Ein wirklich smartes Zuhause zeichnet sich durch Automatisierungen aus, die im Hintergrund arbeiten und den Alltag spürbar erleichtern. Es geht darum, dass Abläufe logisch miteinander verknüpft sind und sich an die Bedürfnisse der Bewohner anpassen. Wie umfangreich oder individuell das Ganze umgesetzt wird, kann dabei ganz unterschiedlich aussehen.

Wie können kleine und smarte Automatisierungen den Alltag konkret erleichtern?

Da gibt es zahlreiche Beispiele. Besonders schätzen wir etwa unsere smarte Außenbeleuchtung. Sie schaltet sich nicht zu einer festen Uhrzeit ein, sondern reagiert auf die tatsächliche Dämmerung. An einem trüben, regnerischen Tag – was hier in Ostfriesland durchaus vorkommt – geht das Licht früher an, an sonnigen Tagen entsprechend später. Das ist deutlich komfortabler als starre Zeitpläne.

Ein weiteres Highlight ist unsere Abwesenheitssimulation. Unser Haus erkennt, ob meine Frau und ich zu Hause sind oder nicht. Sind wir beide unterwegs, werden Lichter im Wohnzimmer und in anderen Räumen automatisch ein- und ausgeschaltet – und zwar nicht nach einem festen Muster, sondern so, wie wir es selbst tun würden.

Das wirkt realistisch und sorgt für ein besseres Sicherheitsgefühl.

Auch beim Energiesparen hilft uns das Smart Home enorm. Wenn wir nicht zu Hause sind, wird die Heizung automatisch heruntergeregelt. Abends nutzen wir einen sogenannten Gute-Nacht-Schalter im Schlafzimmer: Ein Knopfdruck, und im ganzen Haus gehen die Lichter aus, Standby-Geräte werden abgeschaltet und unnötiger Stromverbrauch vermieden.

Im Garten kommen unsere Rasenmäher-Roboter zum Einsatz, diese teste ich auch regelmäßig für meinen YouTube-Kanal. Sie sind vollständig ins Smart Home integriert: Wenn das System erkennt, dass ich gerade mit den Hunden im Garten bin oder der Rasen noch nass vom Regen ist, startet der Mäher nicht.

Sogar bei unseren Pferden kommt smarte Technik zum Einsatz. Im Winter sorgt ein Heizelement unter der Tränke dafür, dass das Wasser nicht einfriert. Es schaltet sich nur dann ein, wenn es wirklich kalt wird.

Solche einfachen Automatisierungen machen den Alltag deutlich entspannter.

Warum ist eine smarte Lichtsteuerung ein guter Einstieg in Smart Living?

Licht und Heizung sind für viele der erste Schritt ins Smart Home – und das aus gutem Grund. Smarte Heizungen verbinden Komfort mit Energieeinsparung, das ist eine echte Win-win-Situation. Licht hingegen bietet sofort sichtbare Ergebnisse. Wenn man nicht mehr durch das ganze Haus laufen muss, um abends alle Lampen auszuschalten, spürt man den Komfortgewinn direkt.

Zudem lassen sich mit Licht viele weitere Funktionen umsetzen: Tagsüber helles, eher kühles Licht für Konzentration, abends wärmere Lichtfarben für Entspannung. Technisch ist das alles relativ einfach umzusetzen – mit smarten Leuchtmitteln oder Zwischensteckern – und sorgt schnell für erste Erfolgserlebnisse, die Lust auf mehr machen.

Bei welchen Räumen oder Geräten profitieren Nutzer:innen am meisten von einer smarten Vernetzung?

Licht ist besonders in Funktionsräumen ideal, etwa im Hauswirtschaftsraum. Dort nutzen wir einen Bewegungsmelder, der automatisch das Licht einschaltet – praktisch, wenn man mit vollen Einkaufstaschen hereinkommt. In anderen Räumen ist das schwieriger, da wir Katzen und Hunde haben, die sonst ständig das Licht auslösen würden.

Ein großes Thema ist außerdem die Heizung. Zwar muss man zunächst in smarte Thermostate oder Aktoren investieren, doch diese Kosten amortisieren sich meist schnell durch die eingesparte Energie. Auch Balkonkraftwerke gehören für mich inzwischen zum Smart Home dazu. Sie erfordern zwar ebenfalls eine Anfangsinvestition, zahlen sich aber ebenfalls vergleichsweise schnell aus.

Wie hilft ein Smart Home, Energie zu sparen und nachhaltiger zu leben?

Ein Smart Home sorgt vor allem dafür, dass Energie nicht unnötig verbraucht wird. Heizung, Licht und elektrische Geräte reagieren automatisch darauf, ob jemand zu Hause ist oder nicht, und passen ihren Verbrauch entsprechend an. Dadurch wird Energie eingespart, ohne dass man im Alltag ständig selbst daran denken muss.

Nachhaltigkeit entsteht hier also weniger durch Verzicht, sondern durch intelligente Steuerung und Automatisierung.

Künstliche Intelligenz spielt eine immer größere Rolle und ist aus dem Smart-Home-Bereich kaum noch wegzudenken. Besonders spannend wird es in Kombination mit Balkonkraftwerken und smarten Stromtarifen. Systeme erkennen, wann Strom günstig ist, laden Akkus gezielt auf und geben die Energie dann wieder ab, wenn sie gebraucht wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Geofencing. Da wir unsere Smartphones immer bei uns haben, weiß das Haus jederzeit, ob wir zu Hause sind oder nicht. So lassen sich Geräte wie Monitore, Fernseher oder andere Stromverbraucher automatisch komplett ausschalten, wenn niemand da ist – ein großer Vorteil beim Energiesparen.

Auch Sprachassistenten entwickeln sich weiter. Neben bekannten Systemen gibt es inzwischen KI-basierte Assistenten, die weit über einfache Befehle hinausgehen und komplexere Anfragen verstehen.

Ein besonders wichtiger Trend ist außerdem der offene Standard „Matter“, der von Unternehmen wie Apple, Google, Amazon und Samsung entwickelt wurde. Ziel ist es, herstellerübergreifende Kompatibilität zu schaffen. Für Verbraucher bedeutet das mehr Freiheit, günstigere Komponenten und die Sicherheit, Geräte unterschiedlicher Marken problemlos kombinieren zu können.

Worauf sollten Verbraucher beim Einstieg ins Smart Home besonders achten, um langfristig die richtigen Entscheidungen zu treffen und ein zukunftssicheres und flexibles System aufzubauen?

Mein wichtigster Rat: Setzt auf offene Systeme, bei denen man nicht an einen einzelnen Hersteller gebunden ist.

Ein gutes Beispiel ist KNX, ein Standard, der seit Jahrzehnten existiert und von vielen Herstellern unterstützt wird. So kann man Komponenten verschiedener Marken kombinieren, ohne Kompatibilitätsprobleme zu riskieren. Wer sich an einen einzelnen Anbieter bindet, begibt sich in eine Abhängigkeit – sei es durch hohe Preise oder das Risiko, dass der Hersteller irgendwann den Dienst einstellt. Im schlimmsten Fall wird eine Cloud abgeschaltet und nichts funktioniert mehr. Offene Systeme bieten hier deutlich mehr Sicherheit und Flexibilität.

Weitere Informationen unter:

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