Vom Einkaufsbeleg bis zur Wartungshistorie: In modernen Fahrzeugflotten entscheiden Daten immer häufiger darüber, wie effizient, sicher und nachhaltig Mobilität wird. Doch genau diese Informationen liegen oft verstreut – bei OEMs, Zulieferern, Werkstätten und in IT-Silos. Gleichzeitig steuert die Branche auf eine neue Realität zu: Wer Fahrzeuge und Batterien in Europa in Verkehr bringt, muss zentrale Produkt-und Nachhaltigkeitsdaten strukturiert, nachweisbar und abrufbar bereitstellen. Was nach zusätzlicher Regulierung klingt, kann zum Wettbewerbsvorteil werden – weil Transparenz Prozesse beschleunigt, Risiken senkt und neue Services möglich macht.
Restwert, Produktsicherheit, Reparierbarkeit und Second-Life-Optionen hängen längst nicht nur vom physischen Zustand eines Fahrzeugs ab, sondern von der Qualität der Daten dahinter – von Bauteilherkunft über Serviceereignisse bis hin zu Batteriekennwerten. Genau hier setzt Spherity an. Das Dortmunder Unternehmen entwickelt Lösungen rund um digitale Identitäten und den Digitalen Produktpass, damit Automotive-Daten über den gesamten Lebenszyklus verlässlich zusammengeführt und kontrolliert geteilt werden können – und dort ankommen, wo sie im Flottenalltag wirklich Nutzen stiften: bei Betrieb, Wartung, Handel, Wiederverwendung und Recycling.
Digitaler Produktpass: Daten bündeln und kontrolliert teilen
Um eine gute Dokumentation zu gewährleisten, macht Spherity den Digitalen Produktpass (DPP) operativ nutzbar. Der DPP bündelt technische, regulatorische und nachhaltigkeitsrelevante Informationen über den gesamten Lebenszyklus: von Materialzusammensetzung und Herkunft bis zu CO2-Fußabdruck, Reparaturhinweisen, Schaltplänen oder Referenzhandbüchern. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Daten vorhanden sind – sondern dass sie kontrolliert geteilt werden können. Der Zugriff erfolgt rollenbasiert: Öffentlich sichtbare Informationen werden von nichtöffentlichen Daten getrennt, sodass Behörden, Geschäftspartner oder Serviceanbieter nur das sehen, was sie benötigen.

Batteriepass ab 2027: Batterien mit Lebenslauf
Besonders greifbar wird das am Batteriepass, der ab 2027 den Startpunkt für eine breitere DPP-Welt markiert. Batterien „mit Lebenslauf“ zeigen, wie Ladezyklen, State of Health und historische Verlaufsdaten Alterung und Beanspruchung objektivierbar machen. Das verändert Entscheidungen entlang der Wertschöpfung: Gebrauchtwagen lassen sich transparenter bewerten, Second-Life-Anwendungen als Speicher werden planbarer, und Recycling wird effizienter – weil klar ist, was in der Batterie steckt.

Qualitätssicherung und Rückrufmanagement
Auch Qualitätssicherung und Rückrufmanagement profitieren. Wenn alle Beteiligten konsistente, strukturierte Produktdaten liefern, lassen sich Abweichungen schneller eingrenzen, gleichzeitig entstehen im Aftermarket neue Möglichkeiten. Für Reparatur, Remanufacturing und Aufbereitung braucht es Historien zu Reparaturen, Teiletausch und Software-Updates sowie Integration von Batterien in Stromnetze.
Genau diese Lebenszyklusdaten enden heute bei vielen Produkten noch mit Herstellung oder Verkauf – Spherity hilft Unternehmen, die Voraussetzungen und Prozesse dafür aufzubauen.
Umsetzung in der Praxis
Wichtig ist der realistische Blick auf die Umsetzung. Ein DPP ist kein einzelnes Tool, das man „einführt“. Im Mittelpunkt stehen das Konsolidieren bestehender Datenbestände, das Harmonisieren von Datenmodellen, Schnittstellen und stabile Betriebsprozesse. Initiativen wie standardisierte Datenräume im Umfeld von Catena‑X können den Integrationsaufwand pro Branche bündeln und Skaleneffekte schaffen. Für Unternehmen wird der DPP damit zur langfristigen Investition – und zur Basis digitaler Geschäftsmodelle und zusätzlicher Services.
KI im Automotive: Datenqualität und Vertrauen
KI wirkt oft wie ein Versprechen – in der Praxis entscheidet jedoch die Datenqualität darüber, ob sie im Fuhrpark, in der Werkstatt oder in der Produktion wirklich hilft. Sind Produkt- und Lebenszyklusdaten im DPP konsistent, aktuell und nachvollziehbar, können Unternehmen Prozesse deutlich stärker automatisieren: von der schnelleren Fehleranalyse über datenbasierte Garantieentscheidungen bis zur vorausschauenden Instandhaltung. Gleichzeitig braucht KI in regulierten Umfeldern klare Leitplanken: Was ist echt, wer hat es geliefert – und wer trägt Verantwortung?

Der größte Hebel für KI in regulierten Branchen heißt Vertrauen: prüfbare Nachweise über die Herkunft der KI und Verlässlichkeit bei deren Anwendung. Europa hat einen echten Vorteil: starke Industrie und klare Regeln für Vertrauen. Das macht KI für unsere Industrie beherrschbar statt riskant. Wir gewinnen den industriellen KI-Wettlauf, wenn KI in Fabriken, Energie und Pharma sicher und verlässlich arbeitet.
Carsten Stöcker, Managing Director von Spherity
So wird aus Pflicht ein Hebel: Der Digitale Produktpass bringt Ordnung in Produktdaten, senkt Risiken bei Rückrufen, stärkt Kreislaufwirtschaft – und eröffnet Herstellern wie Flotten- und Servicepartnern neue, datenbasierte Angebote.

Spherity auf einen Blick
Standorte: Dortmund (Hauptsitz), internationale Präsenz u. a. in den USA.
Leistungen: Digitale Identitäten & Datenhoheit (European Business Wallet), Lösungen für den Digitalen Produktpass (DPP) – u. a. für Automotive-/Batterie-Ökosysteme.