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Technik und Wirtschaft

Zukunft sichern! Verpackung als Treiber von Innovation und Kreislaufwirtschaft

Foto: Shutterstock, 2528656831

Die am 11. Februar 2025 in Kraft getretene, neue europäische Verpackungsverordnung PPWR gilt nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten verbindlich ab dem 12. August 2026. Die umfassenden Regulierungen greifen tief in die Arbeit entlang der Wertschöpfungskette der Verpackung ein. Das ist für die Branche nichts grundsätzlich Neues. Als die erste Verpackungsverordnung (VerpackV) 1991 Hersteller zur Rücknahme und Verwertung von Verpackungen verpflichtete und das Duale System begründete, wurden Verpackungen zum Pionier von Produzentenverantwortung und Kreislaufwirtschaft.

Dr. Natalie Brandenburg

Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi)

Die Innovationskraft der Unternehmen schaffte es in der Folge kontinuierlich, den Anteil der Verpackung am verkauften Produkt zu reduzieren. So benötigten vergleichbare Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton im Jahr 2020 rund 17 Prozent weniger Material als noch 1991. Bei Kunststoff beträgt die Einsparung sogar 76,9 Prozent, bei Aluminium 38,5 Prozent und bei Glas immerhin 6,9 Prozent.

Auch über die Materialreduktion hinaus hat die Branche durchgehend innoviert

Zu den Schwerpunkten der letzten Jahre gehören ein verstärktes Design for Recycling, das die stoffliche Wiederverwertung der gebrauchten Verpackung von Anfang an mitdenkt, Monomaterial-Verpackungen, die am Ende ihres ersten Lebenszyklus im Recyclingprozess nicht erst aufwendig getrennt werden müssen, der Einsatz von alternativen Rohstoffen, neue Mehrweglösungen oder die Verwendung von Rezyklat, das von Verpackungen aus dem gelben Sack stammt.

Mit der PPWR kommen nun unter anderem Verbote bestimmter Verpackungsarten sowie einheitliche, EU-weite Vorgaben für den maximalen Leerraum, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteile. Viele der Verbote, Grenzwerte und Quoten werden von August 2026 an schrittweise eingeführt und verschärft. Eine nächste wichtige Stufe kommt mit dem Jahr 2030.

Aus den regulatorischen Druckpunkten Differenzierungsmerkmale zu machen, ist die große und existenzielle Herausforderungen unserer Branche in Deutschland und Europa.  Unternehmen müssen ihre Strategien grundlegend überdenken. PPWR-konforme Produkte zu akzeptablen Kosten und in den benötigten Mengen anbieten zu können, schafft hohe Aufwände und stellt große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen im Wettbewerb.

Die eigentlichen Herausforderungen liegen derzeit jedoch an anderer Stelle

Mehrere Regelungen innerhalb der insgesamt 71 Artikel und 13 Anhänge der PPWR erweisen sich in der Praxis als wenig umsetzbar. Vorgaben etwa zum Minimierungs- und Leerraumgebot, zum Rezyklateinsatz oder zum Einsatz von Mehrwegsystemen sind erkennbar auf Verpackungen im Bereich der Endverbraucherinnen und –verbraucher ausgelegt. Was dort sinnvoll erscheinen mag, stößt im Waren- und Güterverkehr zwischen Unternehmen auf völlig andere Abläufe, Rahmenbedingungen und Anforderungen – und kann unter Umständen sogar ökologische Nachteile mit sich bringen oder zentrale Aspekte wie die Transportsicherheit und Ladeeinheitensicherung unterlaufen.

Foto: Andre Wagenzik

Ein weiterer Aspekt sind Vorgaben, die sich Stand heute weder umsetzen noch planen lassen, weil die entsprechenden Details von der Politik erst durch Delegierte Rechtsakte definiert werden müssen. Unternehmen können sich dadurch nicht auf die Herausforderungen einstellen und es fehlt ihnen die entscheidende Grundlage, um wichtige Innovationsarbeit zu leisten.

Dennoch ist der Branche klar: Wer Regulierungen wie die neue europäische Verpackungsverordnung als Kreativbremse versteht, der wird scheitern. Die Vorgaben werden im Gegenteil weitere Innovationskraft bei den Unternehmen freisetzen. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung bleibt jedoch der zielführende und praxisorientierte Dialog von Politik und Wirtschaft.

Das Verpackung an sich Zukunft hat, bleibt unbestritten. Sie sichert unsere Lebensgrundlagen und schützt unsere Ressourcen. Beispielsweise, indem sie Lebensmittel haltbar und transportfähig macht. Für diese Leistung verursachen Verpackungen nur 3 Prozent der Klimawirkungen des verpackten Produkts. 97 Prozent stecken im Lebensmittel selbst. Verpackung schützt also mit kleinem Aufwand große Werte. Das sind Leistungen, die in Zukunft noch wichtiger werden, als sie es heute schon sind.

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