Wieso ist die Robotik ein solch massgebliches Thema für Sie?

Bereits als ich sehr jung war, ab dem Alter von sieben Jahren, faszinierte mich der Gedanke daran, eine Maschine bauen zu können, die nicht nur intelligent ist und autonom handeln kann, sondern die auch darüber reflektiert, dass auch der Mensch nichts mehr als eine besonders elaborierte Maschine ist.

"Die Robotik erntet derzeit die Früchte aus der gewaltigen Entwicklung im Bereich der Laptops und Smartphones."

Entstand dieses Interesse aus einem bestimmten Anlass heraus?

Als ich vier Jahre alt war lief ich in meiner Familie unter dem Namen "Der Professor", obwohl niemand in meiner Familie die High School abgeschlossen, geschweige denn je einen Professor getroffen hatte. Offenbar hatte ich in der genetischen Lotterie eine ausserordentliche mathematische Begabung gewonnen: Ich war in der Lage, arithmetische Rechnungen viel besser ausführen zu können als jeder Erwachsener in meiner Umgebung.

Meine Mutter versuchte mich zu ermutigen und schenkte mir als ich sieben Jahre alt war zwei amerikanische Bücher: "Electricity" und "Gian Electric Brains". So erfuhr ich das erste Mal etwas von der Existenz von Computern und Robotern. Den Rest meiner Kindheit verbrachte ich damit, Roboter aus Kabeln, Nägeln, Glühbirnen und Metallstreifen aus aufgeschnittenen Konservenbüchsen zu bauen.

Welche Erfindungen bringen die Robotik heute auf ein neues Level?

Die Robotik erntet derzeit die Früchte aus der gewaltigen Entwicklung im Bereich der Laptops und Smart Phones. Es gibt mittlerweile energiesparende Hochleistungs-Computerchips, mit welchen auch Roboter für Sensoren und eine hohe Rechenleistung ausgestattet werden können. Die Chips sind längst nicht mehr so kostenintesiv wie früher und zudem wesentlich kleiner geworden. Dadurch ändern sich unsere Möglichkeiten hinsichtlich der zukünftigen Intelligenz von Robotern.

Was sind zukünftige Forschungsgebiete der Robotik?

Die zuvor genannten Felder werden sich weiterentwickeln. Hinzu kommen neue Entwicklungen in der Materialforschung, welche Roboterhände wesentlich besser machen können. Menschliche Hände sind faszinierende Instrumente, doch um so präzise zu funktionieren benötigen sie mehr als nur unsere fantastischen Gehirne – eine wesentliche Eigenschaft unserer Hände ist, dass sie mit cleveren materiellen Verhältnissen in der Haut und durchgehend eingebetteten Sensoren ausgestattet sind.

Ein Entwicklungslimit setzt uns derzeit die Leistung von elektrischen Motoren. Diese sind zwar einfach modulierbar und stellen eine saubere Energiequelle dar, doch sie schränken die Roboter in ihrer Mobilität ein und benötigen grössere Getriebegehäuse. Neue Antriebslösungen, welche auf ein wesentlich elaborierteres Level zusteuern, werden derzeit entwickelt.

In der Vergangenheit wurden von Robotern oftmals in Verbindung mit den "Drei Ds" gesprochen, welche ihre Anwendungsgebiete beschrieben: dirty, dangerous und dull (schmutzig, gefährlich und stumpf). Heute spricht man öfter von den "Drei Ms", mit denen viel mehr Einsatzmöglichkeiten denkbar sind: mobility, manipulation und messiness (Mobilität, Bedienungen und Unordnung).

Alle drei Ms sind motiviert von dem Bedürfnis, mehr Roboter in unserer Nähe haben, um der alternden Bevölkerung mit verschiedenen Dienstleistungen das Leben zu erleichtern. Diese Dienstleistungsroboter benötigen hervorragende Mobilitätseigenschaften, um sich behutsam in den angefüllten Häuser älterer Personen zu bewegen.

Roboter müssen in der Lage sein, eine Mehrzahl von eng zusammengepackten Objekten einzeln zu erkennen und Treppen jeglicher Grösse und Form zu meistern. Zudem benötigen sie eine wesentlich delikatere Handhabung und müssen sich in sekundenschnelle auch an Objekte anpassen können, die nicht fest und griffig sind (stellen Sie sich einen Roboter vor, der die Wäsche macht). Ferner müssen sie direkt und körperlich mit Personen interagieren können.

Das ist nicht so einfach. Was ein Grossteil der Menschen als kinderleicht beschreiben würden, ist für einen Roboter eine grosse Herausforderung: Zum Kühlschrank gehen, die Türe öffnen, ein bestimmtes Objekt ganz hinten erspähen, hinein- und um die anderen Objekte herumgreifen, das Wunschobjekt umschliessen und es aus dem Kühlschrank herausziehen.

Glaube Sie dass die Produktionsindustrie sich durch neue Entwicklungen in der Robotik verändern wird? Wenn ja, wie?

Auch wenn viele geteilter Meinung sind, bin ich der Überzeugung, dass das digitale Zeitalter fast keinen Einfluss auf Fertigungstechniken hatte. Die IT hat andere Bereiche wesentlich nachhaltiger verändert: Die Art wie Nachrichten und Medien konstruiert, verteilt und konsumiert werden beispielsweise.

Verändert hat sich auch die Art wie wir Dinge kaufen, wo und wie wir arbeiten, was wir jetzt oder zu einem beliebigen Zeitpunkt wissen und lernen könnten. In der Produktionsindustrie gab es bisher jedoch noch keine profunden Änderungen, keine tiefgreifenden Firmenwechsel oder eine Veränderung der Machtpositionen. Das wird noch kommen.  

Glauben Sie, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine den Workflow in der Industrie verändern wird?

Die Erfolge der IT mit Computern und Smart Phones basierte auf einer Entwicklung hin zu benutzerfreundlichen, einfach zu bedienenden Geräten. Diese Einfachheit gibt es bei industriellen Maschinen noch nicht. Eine solche Fortschritt Sektor würde grosse Produktivität im industriellen Sektor entfesseln. Jeder Mitarbeiter einer Fabrik wäre dazu in der Lage, auf einfachste Art mit den Fertigungsmaschinen zu interagieren. Genau so einfach wie heute jedermann einen Touchscreen bedienen kann.

Wie stellen Sie sich das Leben mit Robotern in fünfzig Jahren vor?

Vor dreissig Jahren konnte sich noch niemand vorstellen, dass wir heute alle mit einem Gerät von der Grösse eines Spielkarten-Päckchens in den Händen herumlaufen, das uns unmittelbaren Zugang zum ganzen Wissen der Welt, zu Nachrichten und unseren Freunden gibt. Ein atemberaubender Fortschritt im Vergleich zu den ersten Personalcomputern, die vor gerade dreissig Jahren mal erschienen.

Für den Bereich der Robotik gelten ähnliche Gesetze, man kann heutzutage nicht prognostizieren, welche Fortschritte die Roboter-Technik machen wird. Einige globale Trends können dennoch angesprochen werden: Wir haben nun mehr als zehn Millionen Roboter, die in Häusern von Menschen die Fussböden reinigen. Viele Menschen haben maximal einen Roboter zu Hause. Als die ersten Personalcomputer erschienen, konnten man sich maximal einen davon leisten.

Nun besitzen wir eine Mehrzahl von Computer in unseren Häusern: In den Klimaanlagen, Fernsehern, Alarm- und Überwachungsanlagen. In dreissig Jahren wird es genau so normal sein, mehrere Roboter zu besitzen. Sie werden Teil des Lebensgeflechts sein. Genau so selbstverständlich, wie ich heute auf meinem Smartphone von überall auf der Welt aus sehen kann, welche Türen im meinem Haus gerade offen stehen.

Unsere Autos werden Roboter sein (die Mercedes S-Klasse schon in diesem Jahr), unsere Stühle werden Roboter sein, ja, viele der Gegenstände, mit denen wir täglich interagieren, werden Roboter sein. Wir werden sie nicht als Roboter denken, aber für ihre Art zu agieren müssten wir heute ein Team von Roboteringenieuren anstellen, um sie zu bauen.