Brembo ist weltweit Marktführer und anerkannter Innovator auf dem Gebiet von Bremssystemen. Welche Rolle spielt dabei die Gewichtsreduzierung?

Brembo widmet sich schon seit seinem Bestehen der Erforschung neuer technologischer Lösungen, die die Umwelt schützen und darauf hinzielen, die immer strengeren Anforderungen des Marktes an Gewichtsreduzierung zu erfüllen.

Wir setzen auf neue Leichtbau-Konzepte für Bremsscheiben und Bremssättel, mit denen sich dann dank geringerem Gewicht der Kraftstoffverbrauch erheblich verringern lässt. Ein absolutes Muss bei der Entwicklung von Autokomponenten.

Gerade Sportwagen sind oft Vorreiter für neue und leichte Technologien. Was rüsten Sie hier zurzeit aus?

Unser brandneuer ECS-Bremssattel aus Aluminium kommt in der neuen Alpine 110 zum Einsatz. Er verbindet dank des von Brembo entwickelten Getriebemotors die Funktionen einer Betriebsbremse mit denen einer Feststellbremse - und das in nur einem Bremssattelgehäuse.

Für unerreichte Sicherheitsmargen in Notsituationen hat Brembo eine Überwachungssoftware entwickelt und abgestimmt, die einen dynamischen Bremsvorgang einleitet. Sollten beide Bremssattel-Hydraulikkreise ausfallen, kann das Fahrzeug mit der Feststellbremse zum Stehen gebracht werden.

Der neue Brembo-Bremssattel verfügt auch über die sogenannte Proaktive-Nachspannfunktion. Wenn das Fahrzeug an einem Hang abgestellt ist, aktiviert die Software den Bremssattel automatisch. Damit wird der Wärmeverformung der Bremsscheiben und -beläge entgegengewirkt. Das verhindert schließlich, dass das Fahrzeug bei hohen Temperaturen an steilen Hängen ins Rollen kommt.

Die Verwendung von Aluminium, sowohl für das Bremssattelgehäuse als auch den Bremssattelträger, reduziert gegenüber einem Schwimmsattel aus Gusseisen, bei ungefederten Massen, das Gewicht um 1,25 Kilogramm. Die gesamte Gewichtseinsparung beträgt somit 2,5 Kilogramm an der Hinterachse.

Können Sie weitere Beispiele nennen, wie sich Leichtigkeit in Ihren Produkten zeigt?

Ein Beispiel ist unsere Familie von Aluminium-Bremssätteln für Hochleistungsfahrzeuge. Die Festsättel in den Größen 17, 18 und 19 Zoll sind die ideale Lösung für Fahrzeuge, deren Bremsscheiben über große Reibflächen verfügen. Bremsscheiben mit diesen Abmessungen benötigen großzügig dimensionierte Bremssättel. Das Problem ist jedoch, dass diese meist mehr Gewicht mitbringen.

Mit unserem Aluminium-Bremssattel haben wir dagegen eine Trendwende geschafft. Trotz üppig dimensionierter Bremsscheiben und großen Reibflächen resultiert unsere Maßoptimierung in geringerem Gewicht.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Die Besonderheit dieses Bremssattels ist seine ungewöhnliche Geometrie mit fünf Öffnungen: Zwei frontale Öffnungen, mit einer Fläche von 16 und 22 Kubikzentimetern sowie drei an den Brücken, deren Fläche zwischen 7 bis 11 Kubikzentimetern liegt.

Die Gewichtseinsparung von acht Prozent erklärt sich dadurch, dass an Stellen mit geringerer Belastung auch weniger Material eingesetzt wird. Diese beachtliche Verringerung der ungefederten Fahrzeugmassen sorgt für eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und somit der Schadstoffemissionen.

Welche Entwicklungen sehen Sie bei Bremscheiben?

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Daimler AG ist es uns zum Beispiel gelungen, dem Markt eine um 10 bis 15 Prozent leichtere Bremsscheibe mit absolut innovativen Eigenschaften zu präsentieren. Bei ihr werden die zwei unterschiedlichen Materialien Stahl und Gusseisen miteinander verbunden.

Welche Vorteile hat diese Bremsscheibe?

Der Hauptvorteil liegt in der Glocke aus Stahl in einer Stärke von nur 2,5 Millimeter anstatt der 7,5 bis 9 Millimeter der klassischen Bremsglocke aus Gusseisen - selbstverständlich bei gleichbleibender Leistung. Dank dieser erheblichen Gewichtsreduzierung lässt sich eine Scheibe fertigen, die, je nach Geometrie der Glocke, um 10 bis 15 Prozent leichter ist. Je größer die Glocke, desto größer die Gewichtsverringerung.

Die Konstruktion der Verzahnung der Glocke ist Brembos wichtigster Entwicklungsbeitrag. Dabei kam eine Technologie für Präzisionszahnräder zum Einsatz, die auch für die berühmten Schweizer Uhrwerke verwendet wird. Durch diese besondere Form der Glocke konnten die strengen Grenzwerte bei den von Daimler vorausgesetzten mechanischen Festigkeitsprüfungen sogar übertroffen werden. Für Brembo ist das dank der Materialkombination von Stahl und Gusseisen eine richtungsweisende Innovation.