Die große Vielfalt ergibt sich aus der Freiheit bei der chemischen Gestaltung der Ausgangskomponenten. Durch ihre Wahl und die Modifizierung der Molekülstruktur lassen sich die nahezu beliebigen Eigenschaftsspektren erzeugen. Hinzu kommt die Möglichkeit, durch Zuschlagstoffe, wie Glas- oder Naturfasern, das Eigenschaftsprofil des entstehenden Kunststoffs weiter zu variieren.

Aufgrund der leichten Verarbeitbarkeit, der hohen Flexibilität und Stabilität, der thermischen Eigenschaften und der geringen Dichte haben diese Kunststoffe deshalb eine enorme Bedeutung in vielen Anwendungsbereichen gefunden.

„Da man diese Werkstoffgruppe schäumen und entsprechend weiterverarbeiten kann, gehört der Kunststoff im Grunde schon seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Leichtbau“, sagt Dr. Ulrich Fehrenbacher, Leiter der Materialentwicklung bei Rühl Puromer GmbH aus Friedrichsdorf.

Starkes Wachstum

PUR-Weichschaumstoffe kommen dann zum Beispiel für die Möbel- und Automobilindustrie, als Polstermöbel, Matratzen und Automobilsitze, zum Einsatz und werden auch für die Schalldämmung verwendet. Als halbharte Schaumstoffe, die gut Energie aufnehmen können, sind sie ideal für Seitenaufprallschutzelemente in Türen sowie Energieabsorber in Stoßfängern. Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich auch aus der Kombination von Folien für Instrumententafeln, Türseitenverkleidungen oder Knieleisten.

Eine interessante Technologie ist das Sprühverfahren zur kosteneffizienten Herstellung von großen und komplexen Verbundteilen. Das formnahe Aufsprühen eröffnet neue Möglichkeiten bei der Formgebung und sorgt für effizienten Materialeinsatz mit wenig Abfall.

Polyurethanhat unter allen Kunststoffen seit Jahren die höchsten Wachstumsraten in Europa.

Durch das Versprühen des Materials, angereichert mit Glasfasern, oder auch durch das Einlegen von Fasermatten oder Lamellen- und Wabenstrukturen können die Schichten mechanisch verstärkt werden.

„Es gibt einen starken, kostengetriebenen Wettbewerb unter den Anbietern von alternativen Leichtbaumaterialien“, so Fehrenbacher. „Gleichzeitig kann man in Zukunft aber auch von einem starken Wachstum bei Kunststofflösungen ausgehen.“ Polyurethan hat unter allen Kunststoffen seit Jahren die höchsten Wachstumsraten in Europa. Hier wurden 2015 von PUR
7,5 Prozent Anteil erreicht.