„Wenn es auch in Zukunft ausreichend Spitzenfachkräfte in der Produktion geben soll, muss das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem offener für den Austausch mit der Industrie werden“, fordert beispielsweise Prof. Peter Groche von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) und Leiter des Instituts für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU) der TU Darmstadt. „So könnten Sabbaticals für Berufsschullehrer und andere Ausbilder eingeführt werden, damit sie ihr Wissen über moderne Produkte und Produktionsprozesse in Unternehmen auffrischen können.“

Nachwuchsstiftung Maschinenbau

In Zeiten von Digitalisierung, Vernetzung und künstlicher Intelligenz kommen Facharbeiter, aber auch Ingenieure nicht mehr ohne Fort- und Weiterbildungen aus.
Ein weiteres Problem ist der Arbeitskräftemangel: Im Jahr 2009 wurde daher die Nachwuchsstiftung Maschinenbau mit dem Anspruch gegründet, diesem Trend in Zukunft entgegen zu steuern und Impulsgeber für die berufliche Bildung zu sein. Unter ihrer Federführung ist es gelungen, wichtige Akteure in Politik, Wirtschaft und beruflicher Aus- und Weiterbildung zu vernetzen und die Digitalisierungsoffensive damit auf den Weg zu bringen.
„Darüber hinaus unterstützt die Nachwuchsstiftung Maschinenbau digitales Lehren und Lernen mit einer eigens entwickelten Online-Plattform ‚Mobile Learning in Smart Factories‘“, sagt André Wilms, Leiter Standort Nord der Nachwuchsstiftung Maschinenbau. „Sie wird bereits in vielen namhaften Unternehmen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung erfolgreich genutzt.“ Mit zahlreichen unterschiedlichen Angeboten und Projekten richtet sich die Stiftung direkt an Unternehmen, Schulen und Lehrer, aber auch Schüler und Azubis.

Produktion unter einem Dach

Nicht zuletzt könnte Industrie 4.0 dafür sorgen, dass einfache Tätigkeiten im eigenen Land wieder lukrativer werden, so dass das ein oder andere Unternehmen ins Ausland verlegte Produktionsschritte nach Deutschland zurückholen könnte. „Es kann einen nicht zu unterschätzenden unternehmerischen Vorteil bedeuten, die gesamte Prozesskette an einem Standort überblicken zu können“, sagt Prof. Bernd-Arno Behrens, Leiter des Instituts für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Leibniz Universität Hannover und Mitautor des WGP-Standpunktpapiers „Industriearbeitsplatz 2025“.

Wettbewerbsvorsprung Weiterbildung

Eine zentrale Rolle spielen Mitarbeiter aber auch unter einem ganz anderen Gesichtspunkt. So sei der Wettbewerbsvorsprung deutscher Hersteller unter anderem in der hohen Qualifikation ihrer Mitarbeiter begründet. „Mit Blick auf den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb sind hochqualifizierte Mitarbeiter, die sich durch ein hohes Prozessverständnis auszeichnen, ebenfalls ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, so Behrens. „Nur wenn wir diesen Qualifikationsvorsprung aufrecht erhalten, kann auch der Wettbewerbsvorteil des Hochlohnlandes Deutschland in näherer Zukunft gehalten werden, weil die Mitarbeiter selbst bei zunehmender Automatisierung in der Lage sind, den Prozess nachzuvollziehen und – wenn nötig – entsprechend einzugreifen.“