Bitte erzählen Sie uns, wie es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Klöckner kam.

Klöckner ist über eine Empfehlung aus dem Berliner Netzwerk Hy! zu uns gekommen. Vor dem ersten gemeinsamen Termin haben wir typische Klöckner-Kunden befragt: Was läuft gut? Was könnte besser sein? Und dann unsere Ergebnisse präsentiert. Diese nutzerzentrierte Vorgehensweise war offensichtlich überzeugend, denn wenige Tage später war der Auftrag unterschrieben und es ging sofort los.

Ist es richtig, dass Klöckner vor Ihrer Zusammenarbeit nur via Fax kommuniziert hat? Wie ist das in der heutigen Geschäftswelt möglich?

Im Stahlhandel laufen alle Bestellungen noch sehr manuell, also per E-Mail, Telefon und Fax. Sowohl Klöckner wie auch die Kunden haben zwar moderne IT- und ERP-Systeme, die aber nicht miteinander kommunizieren können. Das ist natürlich ineffizient und wenig transparent. Der CEO von Klöckner, Gisbert Rühl, hat erkannt, dass hier Aufholbedarf besteht, und die Digitalisierung zur Chefsache gemacht.

Sein erklärtes Ziel ist es, in fünf Jahren über die Hälfte seiner Umsätze komplett online zu generieren. Auch wenn das für andere Industrien unglaublich klingt: Klöckner ist damit Pionier in seiner Branche!

Großen Konzernen bei der Digitalisierung zu helfen, liegt im Trend. Doch wie kann man sich die Umsetzung vorstellen? Wie gehen Sie als Company Builder das Thema Corporate Innovation an?

Als Erstes schauen wir uns das komplette Umfeld des Kunden und seiner Wettbewerber an und – ganz wichtig – reden mit den Leuten. Denn nur so können wir verstehen, wie sie arbeiten und was sie dabei am meisten stört. Dann erarbeiten wir gemeinsam mit dem Kunden die Top-Drei-Prioritäten: Welche Probleme und Hürden sind die gravierendsten, welche lassen sich mit dem geringsten Aufwand am schnellsten lösen.

Anschließend bauen wir in wenigen Wochen kleine Prototypen, die wiederum permanenten Nutzertests unterzogen werden. Wenn ein entwickelter Service passt, also das identifizierte Problem löst, entwickeln wir ihn zu Ende und implementieren wir ihn. Idealerweise sollten bis dahin nicht mehr als zwei bis drei Monate vergehen.

Können Sie uns den Prozess am Beispiel Klöckner genauer erklären?

Klöckner ist ein riesiger Konzern mit über sechs Milliarden Euro Umsatz, 10.000 Mitarbeitern und 150.000 Kunden in Europa und Amerika. Wir konzentrierten uns daher mit dem Standort Regensburg zunächst auf eine Niederlassung, die wie ein eigenes Eco-System funktioniert und quasi eine Miniatur von Klöckner ist: mit Verkauf, Logistik, Lagerung und Verarbeitung.

Ein Wunsch vieler Kunden dort war beispielsweise die Möglichkeit, die branchenspezifischen Rahmenverträge online managen zu können. Derzeit kümmern wir uns um die Umsetzung – mit ersten kleinen Lösungen, sogenannten Minimal Viable Products (MVPs). Nun haben wir den Aktionsradius ausgeweitet und arbeiten mit mehreren Standorten in Europa und den USA zusammen.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie zu kämpfen?

Die wichtigste: Digitalisierung muss Chefsache sein, sonst kann sie unserer Erfahrung nach nicht gelingen. Außerdem muss es möglich sein, trotz Konzernstrukturen mit agilen Prozessen zu arbeiten. Erste Prototypen sollten beispielsweise außerhalb bestehender SAP-Systeme entwickelt werden, damit man schnell vorankommt.

Letztlich ist es wichtig, herkömmliche Denkweisen zu ändern und nicht mehr aus der Sicht eines Produktmanagers zu denken, sondern immer aus Kunden- und Nutzersicht. All das ist bei Klöckner der Fall, weswegen wir mit den gemeinsamen Projekten unglaublich schnell vorankommen.

Und was unterscheidet Sie von einer klassischen Beratungsfirma?

Pointiert gesagt: In der Zeit, in der klassische Beratungen 100 Seiten PowerPoint malen, sammeln wir 100 Datensätze von Kunden ein. Da, wo die Strategieberatung ein Projekt abschließt, fängt es bei uns erst richtig an: mit der Umsetzung – diese macht einen Großteil unserer Tätigkeit aus. Anders als herkömmliche Beratungsfirmen glauben wir auch nicht, dass es auf profunde Branchenkenntnisse ankommt.

Sondern darauf, digitale Prozesse zu verstehen. Daher arbeiten wir wie ein Start-up und nutzen die neuesten Methoden aus dem Silicon Valley, Lean-Startup und Design Thinking.

Dieser Ansatz funktioniert für alle Branchen und hilft uns dabei, sehr schnell herauszufinden, wo die wirklichen Probleme liegen – und sehr schnell passende Lösungen zu entwickeln und zu implementieren. Wir wollen immer Wert schaffen und arbeiten auf gemeinsame Businessziele hin, an denen wir uns auch messen lassen.