Bitte stellen Sie uns Ihren Hof vor.

Zusammen mit meinen Eltern Karl und Maria Heckenberger bewirtschafte ich einen 60 Hektar großen Ackerbau- und Milchviehbetrieb.
Dabei bin ich hauptsächlich für die Tierhaltung verantwortlich.

Das sind:
60     Milchkühe (Rassen: Braunvieh und Holstein)
55     weibliche Jungtiere
35     Mastbullen

Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

Mein Tag beginnt um fünf Uhr morgens – Kühe melken, Kälber füttern, einstreuen. Es werden also die Betten gemacht (lacht). Für die Kälber, Rinder, Milchkühe und Trockensteher gibt es neues Stroh.

Über den Tag werden die anfallenden Arbeiten auf den Feldern erledigt (Silageernte, Getreideernte, Heuernte, Düngung und Pflanzenschutz), aber auch Arbeiten im Stall werden teilweise über die Tage erledigt wie Klauenpflege, Ausmisten und so weiter.
Bevor gegen 19 Uhr die Arbeit getan ist, wiederholt sich noch einmal die Prozedur vom Morgen: Melken, füttern, Betten machen.

In der Kategorie Junglandwirt wurden Sie im vergangenen Jahr mit dem Ceres Award ausgezeichnet. Wie kam es dazu?

Den Ausschlag gab die Projektarbeit „Verschiedene Varianten der Grünlandverbesserung über Neu- und Nachsaat“ im Rahmen meiner Meisterausbildung im Jahr 2013. Ich habe damals auf einer Fläche neun Versuchsparzellen angelegt und unterschiedlichste Varianten der Dauergrünlandbewirtschaftung getestet.

Die Varianten reichten vom Auskämmen der gemeinen Rispe (Ungras) mit Güttler-Striegel, Abfahren der gemeinen Rispe bis hin zu unterschiedlichen Methoden der Saatgutausbringung. Für unseren Betrieb hat sich dabei folgende Variante als optimale Bearbeitungsstrategie herausgestellt: Direkt nach der Ernte des Grases wird mit 0,9 Litern pro Hektar Glyphosat abgespritzt, sodass die gemeine Rispe abgetötet wird, danach wird das Feld dreimalig ausgekämmt mit Güttler-Striegel, Abfahren der gemeinen Rispe und Saat von 30 Kilogramm pro Hektar mit Güttler-Kombination.

Danach erfolgt die Aussaat mit einer Mischung aus 45 Prozent spätem Deutschen Weidelgras, 40 Prozent mittelfrühem Deutschen Weidelgras, zehn Prozent Lieschgras und fünf Prozent Weißklee. Der Arbeitszeitbedarf liegt mit drei Stunden pro Hektar genauso im Rahmen wie die Gesamtkosten von 398,80 Euro je Hektar.

Inzwischen bewirtschaften wir zwölf Hektar nach diesem Prinzip, weitere Flächen werden folgen, denn im Gegensatz zur Kontrollfläche erhöhte sich der Ertrag um 20 Prozent.

Bitte gehen Sie auf die Ertragssteigerung genauer ein.

Durch die Aussaat von diesem besseren Gras (sehr gut verdaulich, hohe Energie- und Rohproteingehalte, sehr gute Schmackhaftigkeit) konnte die Milchmenge in den vergangenen Jahren um mehr als 3.000 Kilo auf durchschnittlich 10.400 Kilo Milch pro Kuh und Jahr gesteigert werden.

Digitalisierung in der Landwirtschaft ist ein großes Thema. Was ist hier der Status quo und worin liegen die Herausforderungen?

Die aktuellen Herausforderungen im Precision Livestock Farming liegen weniger in der reinen technischen Entwicklung von Sensorik, sondern eher in der Aufbereitung und Nutzbarkeit der anfallenden Massendaten. Intelligente Dateninfrastrukturen sowie aussagekräftige Auswertungsalgorithmen sind in der Entwicklung zu Wissenssystemen, die das Tierwohl weiter verbessern. Mit permanent erfassten und ausgewerteten Gesundheitsparametern wird der Tierhalter in die Lage versetzt, im Bedarfsfall per Handy informiert zu werden, um darauf sofort reagieren zu können. Damit bekommt „das Auge des Herrn“ eine noch größere Bedeutung und die Qualifikationsanforderungen an den Landwirt steigen weiter.

Mit agrarspezifischen Wetterdaten kann der Umgang mit Boden, Wasser und Luft weiter verbessert werden. Dazu tragen weiterentwickelte Prognosemodelle ebenso bei wie ein ausgeklügeltes engmaschiges Netz an Wetterstationen und phänologischen Beobachtungen. Die agrarspezifischen Dienstleistungsangebote des Deutschen Wetterdienstes und seiner Partner haben dank zunehmender technischer Möglichkeiten der Wettererkundung erheblich an Aussagekraft und Informationswert gewonnen.

Die Satellitensteuerung ist in der Landwirtschaft bereits weit vorangeschritten. Ein Traktor mit GPS-Empfänger und Korrektursignal kann bis auf zwei Zentimeter genau gesteuert werden. Nährstoffe lassen sich präzise und ohne Überlappung auf oder in den Boden bringen. Entsprechendes gilt für die Anwendung von Pflanzenschutzmaßnahmen.

Mit dem Einsatz dieser Technik können Betriebsmittel eingespart und so Umwelt und Finanzen geschont werden. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet die GPS-Technik auch beim Transport landwirtschaftlicher Güter. Etwa die Hälfte der heute produzierten Mittelklassetraktoren ist mit einem GPS-Empfänger ausgestattet.

Auch in der Landwirtschaft greift der digitale Fortschritt. Melkroboter haben in der Milchviehhaltung bereits breiten Einzug gehalten. In der Pflanzenproduktion gewinnen zentrale Elemente einer Präzisionslandwirtschaft rasch an Bedeutung. Damit verbunden sind enorm steigende Anforderungen an das einzelbetriebliche Datenmanagement.

Das über Datenerfassung und -verarbeitung generierte „neue“ Wissen dient der Steuerung, Kontrolle, Optimierung und Automatisierung der Produktionsprozesse und dem Landwirt als unmittelbare Entscheidungsgrundlage. Es führt zu weiterer Effizienzsteigerung und trägt dazu bei, die Umwelt stärker zu schonen und das Tierwohl zu fördern.

Wie geht Ihr Betrieb mit der Digitalisierung um und welchen Herausforderungen mussten Sie sich stellen?

Die Umstellung auf andere Handys war vor vielen Jahren eine kleinere Herausforderung, da der Strukturwandel dies sowieso vorgesehen hat. Dass die Bearbeitungen und Düngung und Pflanzenschutz über ein Programm festgehalten werden, war damals eine größere Herausforderung, es ist auch möglich, die Daten über das Handy zu bearbeiten und zu speichern. Täglich werden die Daten der Milch (Inhaltsstoffe, Menge, Gesundheitsstatus der Kuh und des Euters und so weiter) ausgelesen und die Tiere je nach Bedarf anders gefüttert oder behandelt.

Wo sehen Sie Ihren Betrieb in zehn Jahren?

Bei den derzeit stark sinkenden Milchpreisen wird aktuell auf unserem Betrieb nichts geplant. Aber ich möchte den Betrieb schon in naher Zukunft vergrößern, und auch die Technik, wie Melkroboter und Fütterungstechnik, muss bei einer größeren Planung berücksichtigt werden, um das Tierwohl noch deutlich zu verbessern. Was ich bei alldem jedoch nie verändern werde, ist die Arbeit mit den Tieren, denn die macht mir persönlich am meisten Spaß.