Die aktuellen Ergebnisse des DBV-Konjunkturbarometers Agrar zeigen, dass die Landwirte die wirtschaftliche Situation als ähnlich ungünstig wie im Krisenjahr 2009 beurteilen. Mit fast 500.000 Euro je Erwerbstätigen (ohne Boden) gehört die Landwirtschaft zu den kapitalintensivsten Branchen der deutschen Wirtschaft. Innovation und Investitionsklima spielen daher eine bedeutende Rolle.

Die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft ist nach wie vor eine Schlüsselbranche für die deutsche Wirtschaft

Die Investitionstätigkeit ist deutlich zurückgegangen, dennoch ist das geplante Investitionsvolumen immer noch beträchtlich. In den nächsten sechs Monaten wollen die deutschen Landwirte nach den aktuellen Ergebnissen des Konjunkturbarometers 3,7 Milliarden Euro investieren (Vorjahreswert: 5,1 Milliarden Euro).

Digitalisierung und Vernetzung spielen dabei eine Schlüsselrolle. Vor allem die Nutztierhalter haben in den letzten Jahren hohe Investitionen in die betriebliche Weiterentwicklung getätigt. Bessere Haltungstechnik bedeutet auch mehr  Nachhaltigkeit, eine höhere Ressourceneffizienz und auch mehr Tierwohl. Mit diesen Zukunftsinvestitionen bleiben die Tierhalter auch langfristig das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Landwirtschaft.

Die derzeitige Marktlage und die aktuell angespannte Liquidität sind die Folge von Marktzyklen in offenen Agrarmärkten. Vermarkter, Verarbeiter und Lebensmitteleinzelhandel müssen trotzdem ihre Verantwortung für eine nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland wahrnehmen. Eine fortlaufende Erhöhung der Anforderungen an die Qualität und die Herstellungsverfahren der Produkte verlangt natürlich eine adäquate Berücksichtigung bei den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen.

Aber sie erfordert auch Weiterentwicklung und Investitionen, die am Markt erwirtschaftet werden müssen. Die langfristigen Zukunftsperspektiven für die deutsche Landwirtschaft sind trotz der aktuellen Preiskrise positiv. Wir wirtschaften an einem Gunststandort, haben gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, die nicht nur moderne Technik einsetzen, sondern auch vernetzen und digitalisieren sowie mit erfolgreichen und innovativen Partnern im vor- und nachgelagerten Bereich zusammenarbeiten.

Zudem steigt mittel- bis langfristig weltweit der Bedarf an hochwertigen Lebensmitteln und Agrarrohstoffen. Die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft ist nach wie vor eine Schlüsselbranche für die deutsche Wirtschaft: Jeder neunte Arbeitsplatz wird von Agribusiness, der Land- und Ernährungswirtschaft gestellt.

Landwirte sind verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmer. Um erfolgreich sein zu können, brauchen sie unternehmerische Freiräume und eine verlässliche Politik. Praxisfremde Verwaltungs- und Kontrollvorschriften und überbordende Ge- und Verbote schränken diese Freiräume und die Potenziale für Weiterentwicklungen stark ein. Fortschritte aber brauchen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Digitalisierung ist dafür ein Schlüsselfaktor und unterstützt zudem auch die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz der modernen Landwirtschaft.