In Braunschweig entsteht derzeit ein Büroneubau, der von Anfang an nach der BIM-Methode geplant wurde und der als Praxismodellprojekt „BIMiD – BIM-Referenzobjekt in Deutschland“ im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand Digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wissenschaftlich begleitet wird.

Die Erkenntnisse sollen helfen, Chancen und ggf. Risiken beim Umstieg auf BIM insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen besser einschätzen zu können. Derzeit wird der Rohbau fertiggestellt.

Bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse in der Bau- und Immobilienbranche spielt Building Information Modeling (kurz: BIM) eine zentrale Rolle und kommt vor allem bei größeren Unternehmen und bei internationalen Projekten schon häufig zum Einsatz

Die Verantwortlichen beim Bauherrn in Braunschweig, die Volkswagen Financial Services AG (VWFS), sind heute bereits sehr begeistert von ihrem ersten BIM-Projekt. Und auch die beteiligten Architekten wollen zukünftig nicht mehr ohne BIM planen und bauen.

  • Bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse in der Bau- und Immobilienbranche spielt Building Information Modeling (kurz: BIM) eine zentrale Rolle und kommt vor allem bei größeren Unternehmen und bei internationalen Projekten schon häufig zum Einsatz.

Allerdings überwiegt bei den vielen kleineren und mittelständischen Unternehmen in Deutschland häufig noch die Skepsis. Deshalb fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen seines Förderschwerpunktes „Mittelstand Digital“ auch die wissenschaftliche Begleitung eines ersten BIM-Modellprojekts im Hochbau.

Unter Leitung des Fraunhofer IBP aus Holzkirchen evaluieren und dokumentieren insgesamt sechs Projektpartner über gut zwei Jahre den Planungs- und Bauprozess bei dem sogenannten „BIM-Referenzobjekt“ in Braunschweig, einem Büroneubau der Volkswagen Financial Services AG, und berichten regelmäßig über Zwischenergebnisse.

  • Die bisherigen Ergebnisse beim BIMiD-Referenzobjekt in Braunschweig sind vielleicht nicht spektakulär, dafür aber sehr überzeugend, weil ehrlich und ungeschminkt.

Es wird deutlich, dass BIM heute funktioniert, dass die Methode schrittweise auch von Unternehmen mit wenig Erfahrung erlernt werden kann, und vor allem, dass damit für den Bauherrn bereits in der Planungs- und Bauausführungsphase enorme Vorteile verbunden sind.

Besonders bemerkenswert war, dass bereits vor Baubeginn praktisch die gesamte Planung für alle Gewerke im BIM-Modell fertig vorlag.

Dies bedeutet unschätzbare Vorteile: Alle möglichen Varianten konnten im „Plan“ (d.h. im Gebäudemodell) simuliert werden und Kollisionen zwischen einzelnen Gewerken wurden bereits im Modell ausgeräumt.

Das sorgt frühzeitig für Sicherheit und ist weit günstiger als Änderungen auf der Baustelle. Dazu beigetragen haben auch besonders effiziente Formen der Baubesprechung.

Ein besonderer Höhepunkt waren in dieser Hinsicht zwei Besprechungen im „Immersive Engineering Lab“ beim BIMiD-Projektpartner Fraunhofer IAO in Stuttgart.

In dem mehrseitigen, großflächigen Stereoprojektionssystem können Gebäude interaktiv, räumlich-maßstäblich visualisiert werden.

Bauherrschaft und Planer aus Braunschweig bewegten sich virtuell im Gebäude und stimmten sich noch vor Baubeginn über Detailfragen ab.

Die frühzeitige und vollständige Planung im Modell bedeutete einen weiteren Vorteil: Der Bauherr konnte die Ausschreibungen für alle Gewerke parallel auf den Markt bringen. Er wusste daher schon sehr früh, was das gesamte Vorhaben kosten würde und wo er seine Planung anpassen musste, um im Kostenrahmen zu bleiben.

Da die Leistungsverzeichnisse aus einem gesonderten Datenmodell generiert wurden, war auch diese Arbeit deutlich stressfreier als bei konventionellen Projekten.

Ein nicht zu unterschätzender zusätzlicher Mehrwert für den Bauherrn bedeutet das, was im Zusammenhang mit BIM gemeinhin mit „Kulturwandel beim Planen und Bauen“ bezeichnet wird: Die Bauherrschaft bestätigt, dass sie sich aufgrund der offenen, viel transparenteren Arbeitsweise während der gesamten Planungsphase immer bestens informiert fühlte und dass dank BIM die Kommunikation der einzelnen Beteiligten zum Wohle des Gesamtprojekts deutlich besser war als sonst.

BIM hilft also auch dabei, die Kommunikation untereinander und vor allem das Vertrauen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu stärken.

Aber auch das beteiligte Architekturbüro Gaudlitz Architekten aus Wolfsburg profitiert bereits bei seinem ersten größeren BIM-Projekt von der neuen Form der Zusammenarbeit und kann sich für die Zukunft kein Planen und Bauen mehr ohne BIM vorstellen.

Die Architekten sehen beispielsweise durch den Austausch von BIM-Fachmodellen zwischen den beteiligten Fachplanern an verschiedenen Standorten einen großen Vorteil.

Und auch das mit dem Rohbau beauftragte Bauunternehmen nutzt das Praxismodellprojekt, um seine eigene BIM-Kompetenz zu erweitern: Beispielsweise wurde der Rohbau ohne Aufmaß abgerechnet, da vereinbart war, das Modell als Berechnungsgrundlage für Mengen und Massen zu nutzen.

Grundlage für die Abrechnung waren die regelmäßigen durch 3D-Scans dokumentierten Leistungen im digitalen Bautagebuch.

  • Neben diesen vielen Vorteilen wird aber auch deutlich, dass BIM zumindest in einer längeren Übergangsphase anders funktionieren wird, als sich das die BIM-Vorreiter unter dem Schlagwort „Big Open BIM“ bereits vor zwanzig Jahren vorgestellt haben.

In den Diskussionen herrscht häufig noch diese Definition als alleinig „richtiges  BIM“ vor: Durchgängiger, verlustfreier Datenaustausch auf der Grundlage eines oder mehrerer Bauwerksdatenmodelle mittels offener, das heißt produktunabhängiger Softwareschnittstellen – idealerweise zwischen allen Beteiligten und während des kompletten Lebenszyklus’ eines Bauwerks.

In der Praxis sind wir davon aber noch weit entfernt. Die dafür erforderliche Definition der IFC-Schnittstellen durch ehrenamtlich arbeitende Fachleute und die Implementierung in die verschiedenen, teilweise hochspezialisierten Softwareprodukte braucht seine Zeit.

Stattdessen müssen wir uns noch mit Teillösungen zufrieden geben, gegebenenfalls mit  „Little closed BIM“, beschränkt auf einzelne Unternehmen in einem Projekt und auf ganz spezielle Aufgaben.

Das ist aber nicht schlimm – solange der Nutzen schon jetzt so groß ist, dass Bauherren und Anwender wie beim BIMiD-Förderprojekt in Braunschweig bereits heute regelrecht ins Schwärmen geraten.

Das Förderprojekt BIMiD läuft noch bis Oktober 2016. Der Abschlussbericht sollte gegen Ende des Jahres vorliegen. Nächste Gelegenheit, aktuelle Zwischenergebnisse zu erfahren, gibt es beim 5. BIMiD-Fach-symposium am 9. Mai 2016 in Braunschweig bei VWFS. (Siehe www.BIMiD.de)