Sie wollen immer mehr Teil unseres Körpers, unseres Selbst werden. Die Wearables sind eine weitere Eskalationsstufe in diesem Spiel: Sie helfen uns bei banalen Alltagsdingen, – könnten aber leicht zu Ersatzpersönlichkeiten heranreifen – Segen und Fluch des nächsten großen Technologiesprungs.

„Verheißung und Verderben, Sehnsucht und Tabu – die Wearables beschreiben eine weitere Stufe der Intimisierung des Medialen.“

Technologiezyklen haben sich seit der Erfindung des Computers in den 1960er Jahren im Rhythmus von zehn Jahren abgelöst, heißt es. Nach wie vor, so heißt es auch, leben und innovieren wir unter der Herrschaft von Moore’s Law. Das heißt, in den nächsten 18 bis 24 Monaten wird sich die Rechnerleistung weltweit wieder um 100 Prozent steigern, bei gleichzeitigem Preisrückgang. Ich könnte mit den Hype-Kurven und Hockeyschläger-Diagrammen noch stundenlang fortfahren. Ein Ende dieses großen digitalen Wachstumszyklus ist vorerst jedenfalls nicht absehbar.

Wichtiger als diese schnöden Daten scheint mir allerdings Folgendes zu sein: Die Beschleunigung der Rechnerleistung bei gleichzeitigem Hinzukommen von extremer Miniaturisierung der Geräte hat mittlerweile ein Ausmaß erreicht, dass sich „Digitalität“ immer tiefer in unseren Alltag einschreibt – Technologie kommt immer näher an uns ran und wird in einigen Jahren wahrscheinlich auch in unsere Körper eindringen. Wir verschmelzen mit Technologie.

Die nächste Evolutionsstufe

Die Wearables, von denen hier die Rede sein wird, repräsentieren die nächste Evolutionsstufe, in der Informationstechnologie mit unserem Körper – nahezu untrennbar – verschmilzt. Und wie bei allem in unserer Hochtechnologiewelt verbinden sich mit einem neuen Entwicklungssprung immer neue Sehnsüchte und Befürchtungen.

Wir sprechen von Biohackern, von denen es mehr als 1.000 in Deutschland gibt, die sich lieber heute als morgen „erweiternde“ Technologien, vom medizinischen Mikrochip („Lab on a chip“) bis zur neuronalen Prothese, einbauen lassen möchten.

Maschinenmenschen, die sich bei der Hightech als einem Ersatzteillager für die eigenen empfundenen Unzulänglichkeiten bedienen. Science-Fiction drängt mit Macht in die Alltagsrealität und ängstigt uns.

Medien in der Menschheitsgeschichte 

Zugleich genießen wir es, mit dem Minicomputer unser Lauftraining zu optimieren und unsere persönliche Fitness zu perfektionieren. Tragbare Computer warnen uns schon jetzt, in den nächsten zwei Stunden nicht diese, sondern jene Autobahn zu nehmen. Medien dienten in der Menschheitsgeschichte schon immer dazu, unsere Sinne zu erweitern, Kommunikationshorizonte unaufhaltsam weiterzuentwickeln.

Verheißung und Verderben, Sehnsucht und Tabu – die Wearables beschreiben eine weitere Stufe der Intimisierung des Medialen. Ob das eine neue ungekannte Faszination entfalten oder endgültig der ultimative Fluch sein wird, können nur wir selbst entscheiden.