Sie bringt Verfahren hervor, die in ganz unterschiedlichen Branchen Beiträge zu Umwelt- und Klimaschutz sowie zur medizinischen Versorgung leisten können. Die industrielle Etablierung dieser Verfahren gelingt vor allem durch die Einbeziehung von Ingenieur-Know-how.

Viele Produkte des Alltags wie Brot, Vitamine oder Biokunststoffe werden mithilfe biotechnologischer Methoden hergestellt. Die industrielle Biotechnologie ermöglicht, biogene Rohstoffe wie Stärke oder Pflanzenöl oder auch Reststoffe wie Stroh effizient zu nutzen. Ähnlich heutigen Erdölraffinerien können in Zukunft sogenannte Bioraffinerien aus Biomasse anstatt aus Erdöl, Kraftstoffe oder Chemieprodukte erzeugen.

Biotechnologische Verfahren haben zudem das Potenzial, eine Reihe von klassischen chemischen Prozessen zu ergänzen, beziehungsweise zu ersetzen und durch mildere Produktionsbedingungen umweltfreundlicher zu gestalten.

Ein bekanntes Beispiel ist die Synthese von Vitamin B2: Die Umstellung der Produktion von einer rein chemischen auf eine biotechnologische Synthese reduzierte den CO2-Ausstoß um 30 Prozent, den Verbrauch fossiler Rohstoffe um 60 Prozent und den generierten Abfall sogar um 95 Prozent.

Laut Schätzungen lassen sich mithilfe der industriellen Biotechnologie bis 2030 weltweit jährlich über eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen einsparen, was in etwa der jährlichen Gesamtemission in Deutschland entspricht.

Global betrachtet findet der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen immer mehr Anwendung

Rund 80 Prozent des weltweiten Soja- und Baumwollanbaus werden mit gentechnisch verändertem Saatgut durchgeführt. Neben Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten werden so auch Verbesserungen im Nährstoffgehalt sowie Salz- und Trockentoleranzen erreicht.  

Besondere Bedeutung hat die Technologie auch im Gesundheitssektor: Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, sogenannte Biopharmazeutika, stellen die Hälfte der umsatzstärksten Arzneimittel. Deutschland liegt im Ranking der Produktionsstandorte für Biopharmazeutika weltweit hinter den USA auf dem zweiten Platz.

Vernetzung von Biotechnologen und Ingenieuren

Obwohl zahlreiche biotechnologische Verfahren industriell etabliert sind, ist das Potenzial bei Weitem noch nicht vollständig erschlossen. Viele innovative Biotechnologieprodukte und -verfahren werden in Biotech-Start-ups beziehungsweise in kleinen und mittleren Unternehmen entwickelt, dort oft im Labormaßstab und in kleinen Stückzahlen.

Damit sich diese Verfahren am Markt etablieren und im industriellen Großmaßstab stattfinden können, müssen sie wettbewerbsfähig sein und Qualitätsstandards einhalten. Dies gelingt durch Prozesse, die Biotechnologen gemeinsam mit Ingenieuren entwickeln.

Hier ist insbesondere Ingenieurexpertise aus der Mess- und Automatisierungstechnik, dem Anlagenbau sowie der Verfahrenstechnik von Bedeutung. Wichtig sind aber auch die Bereiche Mikroelektronik und Feinwerktechnik, technische Gebäudeausrüstung, Materials Engineering sowie das technische Know-how aus den Branchen der Medizintechnik und der Agrartechnik. Im VDI finden Biotechnologen gute Möglichkeiten zur Vernetzung mit diesen und weiteren Bereichen.