In diesen Sektor fließen große Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, die auch viele zivile Nutzen haben.

Verteidigung und Militär hat in der öffentlichen Wahrnehmung der Bundesbürger – trotz zahlreicher Auslandseinsätze der Bundeswehr – einen recht niedrigen Aufmerksamkeitswert. Dabei spielt etwa die militärische Luftfahrt eine wichtige Rolle, wenn es um technologische und industrielle Entwicklungen in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie geht. 

Im weltweiten Vergleich ist die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie eher klein. Nach Angaben des des Bundesverbandes der deutschen Industire (BDI) beschäftigt die Branche rund 80.000 Mitarbeiter, was einer Quote von 0,2 Prozent der Beschäftigten in der Bundesrepublik entspricht. Sie setzt jährlich etwa 17 Milliarden Euro um.

22.000 Mitarbeiter

In der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie mit ihren etwa einhundert Unternehmen sind wiederum etwa 22.000 Mitarbeiter angestellt. Zu den Produkten, die für die Bundeswehr und ihre Partner hergestellt werden, gehören unter anderem Kampf- und Transportflugzeuge, Turbinen und andere Triebwerke, Fahrwerke, Hubschrauber, Drohnen und andere unbemannte Flugobjekte oder Computer- und Systemtechnologie.

Der Forschungs- und Entwicklungsbereich nimmt naturgemäß eine wichtige Rolle ein. Doch längst ist dieser Bereich nicht mehr nur national aufgestellt, denn große Beschaffungsprogramme können meist nicht mehr lediglich durch den Alleingang eines Landes realisiert werden. Die europäische und internationale Zusammenarbeit zwischen den Ländern der NATO spielt dabei eine wichtige Rolle.  

Schlüsselprojekte

Eines der bedeutendsten Projekte der Bundeswehr ist die Entwicklung eines Militärtransportes mit ausreichender Reichweite. Der als A 400M bezeichnete Militärtransporter ist eine europäische Gemeinschaftsentwicklung, doch die deutsche Luftfahrtindustrie ist mit einem Drittel an der Entwicklung und Produktion dieses Flugzeugs beteiligt.

Gerade vor dem Hintergrund der globalen Entwicklung und asymetrischer Auseinandersetzungen an vielen Punkten der Erde ist ein reichweitenstarkes Transportflugzeug essentiell für die Ausstattung der Bundeswehr. Im Übrigen gibt es auch auf dem internationalen Markt eine große Nachfrage nach diesem Flugzeug. 

Ob Truppentransporter oder Hubschraubertechnologie oder Kampfflugzeug, wenn es um Gewicht und Verbundstoffe geht, dann sind deutsche Unternehmen vielfach beteiligt. „Dabei fließen auch Erkenntnisse aus dem Automobilbau oder der zivilen Luftfahrt in die Militärtechnik mit ein“, erläutert Oberstleutnant im Generalstabsdienst Holger Neuman vom Bundesverteidigungsministerium.

Dass die militärische Entwicklung zivile Nutzungen nach sich ziehen, sei heute nicht mehr allgemeine Grundregel. Auch zivile Entwicklungen würden von den militärischen Anbietern weiterentwickelt oder adaptiert werden. 

Auch im Weltraum

Aufklärung und Informationsgewinnung ist für die Sicherheit eines Landes und seiner Bürger essentiell, zumal diese Informationen Grundlagen für Entscheidungen liefern. Ob Aufklärung mit Satelliten durch Tornados oder durch unbemannte Flugobjekte, sogenannte Drohnen, deutsche Unternehmen sind in vielen Bereichen Technologie führend.

So kann die Bundeswehr seit vier Jahren auf ein eigenes, übrigens in Bremen gebautes, Satellitensystem zurückgreifen. Darüber hinaus haben die deutschen Streitkräfte zwei Telekommunikationssatelliten im Einsatz.