Am 12. Juni 2014 unternahm die A 310, ein Regierungsflieger der Bundesregierung, seinen letzten offiziellen Einsatz von Kassel nach Berlin mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an Bord. Doch damit ist die 25-jährige Geschichte des Flugzeuges nicht beendet, es wird nicht etwa abgewrackt oder zum Beispiel an eine Airline verkauft, sondern in einer Luftwerft in Hamburg zu einem Parabelflieger umgebaut.

Die Maschine soll dann den ältesten überhaupt noch fliegenden Airbus der Serie A300, einen Airbus A 300 Zero-G, ersetzen, der im Moment für wissenschaftliche und kommerzielle Parabelflüge vor allem über dem Mittelmeer oder dem Atlantik eingesetzt wird.

22 Sekunden Schwerelosigkeit, danach doppelte Erdanziehung

Sowohl die französische Raumfahrtagentur CNES und die Europäische Weltraumorganisation ESA als auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) buchen regelmäßig Parabelflüge für Forschung in Schwerelosigkeit bei  einem französischen Luftfahrtunternehmen, das seit 1997 wissenschaftliche und seit 2012 auch kommerzielle Parabelflüge anbietet. Französische Testpiloten steuern die Maschinen bei den aufsehenerregenden Flügen.

Sie manövrieren das Flugzeug dabei zuerst steil nach oben und dann in den Sturzflug, so dass für 22 Sekunden Schwerelosigkeit entsteht. In den Phasen davor und danach ist allerdings alles fast doppelt so schwer wie normalerweise, da in dieser Zeit eine Kraft wie die doppelte Erdanziehungskraft herrscht. Da die Piloten die parabelförmige Flugbahn einer in die Luft geworfenen Kugel nachahmen, werden diese Flüge Parabelflüge genannt.

Privat buchbar

Das Phänomen Schwerelosigkeit zu erleben ist absolut großartig: schweben, sich dreidimensional frei zu bewegen, kein Gewicht zu spüren. Was für die einen eine Gaudi ist – inzwischen kann man für ungefähr 6.000 Euro derartige Flüge auch als Privatmensch buchen – ist für Wissenschaft und Technik ein unverzichtbarer Bestandteil für viele Experimente und Tests.

Körperlich wird den mitfliegenden Wissenschaftlern dabei viel abverlangt, denn die wechselnden Beschleunigungen belasten das Herz-Kreislauf-System und den Gleichgewichtssinn. Gegen Reiseübelkeit helfen die vorab gegebenen Medikamente.

Wissenschaftlich derzeit noch nicht ersetzbar

Die Parabelflüge geben Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen die Möglichkeit, in einer einzigartigen Weise mit Organismen und Materialien in Schwerelosigkeit zu experimentieren, was unter normaler Erdanziehung nicht möglich ist. Vor allem für die Grundlagenforschung in den Bereichen Physik, Biologie und Medizin, aber auch in der Materialforschung sind derartige Experimente unter Schwerelosigkeit von großer Bedeutung.

„Die Forschung unter Schwerelosigkeit gibt die einzigartige Gelegenheit, Phänomene zu erkunden, die gewöhnlich durch die Gravitation maskiert oder gestört werden. Wir können Effekte und Vorgänge entdecken und analysieren, die wir anders nie finden würden“, sagt Dr. Ulrike Friedrich, die Projektleiterin der DLR-Parabelflüge.