Ein Wundermittel dafür ist Polycarbonat. Dabei ist Polycarbonat noch ein relativ „junger“ Kunststoff. Seine erste Synthese gelang 1953 in den Labors der Bayer AG. Seitdem begegnet man diesem äußerst stabilen Kunststoff, der sich in alle 3-D-Formen spritzgießen lässt, täglich.

Am bekanntesten ist die Verwendung von Polycarbonat für Compact Discs. Da er völlige Designfreiheit erlaubt, stellt man mit ihm heute auch Helme und Visiere, Brillen, Flaschen, Wasserspender und Scheiben in Flugzeugen und Automobilen her.

Ideale Eigenschaften

Designer und Ingenieure schwärmen zu Recht von ihm – denn als Leichtbauwerkstoff verfügt er über die idealen Eigenschaften. Er ist glasklar, extrem schlagzäh, bricht und splittert nicht. Dennoch ist er sehr leicht: Aufgrund der nur halb so hohen Dichte wiegen Polycarbonat-Komponenten um bis zu 50 Prozent weniger als baugleiche Teile aus Glas.

Die extrem hohe Schlagzähigkeit ist vor allem für den Einsatz im Dachbereich für Autos von besonderer Relevanz: Der Schutz der Insassen im Falle eines Unfalls oder Steinschlags ist jederzeit gewährleistet, auch dann, wenn sich das Fahrzeug überschlägt. Darüber hinaus sorgt eine entsprechende Lackbeschichtung für Kratzfestigkeit sowie Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen und UV-Strahlung.

Stoff für visionäre Ideen

Aus Polycarbonat sind außerdem sehr große Dächer darstellbar, ebenso visionäre Ideen wie geschwungene Scheiben. Im Dachbereich spielt der Kunststoff jedoch vor allem seine Gewichtsvorteile aus: Zum einen reduziert ein leichtes Dach das Gesamtgewicht des Fahrzeugs und senkt damit den Kraftstoffverbrauch und folglich die CO2-Emission.

Der zweite Pluspunkt: Je leichter das Dach ist, desto mehr verlagert sich der Schwerpunkt des Fahrzeugs nach unten. Das wirkt sich positiv auf die Fahrdynamik und die Fahreigenschaften aus.

Ersatz für Glas

Der Stoff ersetzt so langfristig in vielen Bereichen Glas, einen wichtigen Werkstoff in der Automobilindustrie. Der Glasanteil in Fahrzeugen hat in den letzten 20 Jahren kontinuierlich zugenommen: Heute sind es rund 4,6 Quadratmeter, 1985 waren es erst 3,5 Quadratmeter.

Doch Glas hat sein Gewicht. In Zeiten, in denen Ressourcenschonung, Verbrauchs- und Emissionsreduzierung die automobile Entwicklung stark beeinflussen, zählen Gewichtsreduktion und Leichtbau zu den wichtigen Technologietrends bei den Automobilherstellern und ihren Systempartnern in der Zulieferindustrie.

Gerade im Bereich Automobil wurde Polycarbonat zu Beginn der Entwicklung  für Scheinwerferstreuscheiben eingesetzt. Heute sind die Anwendungen – neben dem Dach – vielfältiger: Polycarbonat findet man in Stoßstangen, Frontteilen, Zierleisten, Armaturenbrett- und Lenksäulenverkleidungen.

Aber auch ganze Verscheibungsmodule, wie etwa komplette Heckklappen, werden gewichtsparend aus Polycarbonat hergestellt. Derzeit liegt der verbaute Anteil des Werkstoffs in Pkw bei etwa 15 Prozent. Experten gehen davon aus, dass er innerhalb der nächsten fünf Jahre auf rund 20 Prozent anwachsen wird.

Erfolgreiche Zukunft

Aber auch die Zukunft sieht rosig aus für das Wundermittel. Denn Polycarbonat hat noch viel Potenzial. Denkbar sind feste Seitenscheiben, Heckscheiben und Verkleidungsteile. Zudem kann man in Polycarbonat diverse Funktionen integrieren, beispielsweise Heizdrähte, Solarzellen oder Reflexionsfolien.