Konsumenten verlangen heute nach individuellen Mobilitätslösungen, die sich an verschiedene Szenarien anpassen, bei Bedarf jeden Tag neu. Dabei nimmt die Intensivnutzung für Automobile sogar zu, wie eine Ende Juli 2015 veröffentlichte Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts Puls ergeben hat.

Mit dem Rad zum Berliner Hauptbahnhof, weiter mit dem Zug nach Köln und von dort mit einem Carsharing Fahrzeug zum Termin – so sieht heute der intermodale Alltag vieler Konsumenten aus. Mobilität wird den jeweiligen Gegebenheiten und Anforderungen angepasst. Nicht umgekehrt.

Viele Städter schaffen sich oft genug gar kein eigenes Auto mehr an, weil sie die Parkplatzsuche scheuen. Autos werden zunehmend Gebrauchsgegenstände statt Statussymbol, wie auch Michael Schermann, Leiter des Automotive Services Labs der TU München anhand der Ergebnisse verschiedener Verbraucherbefragungen bestätigt.

Nutzen über Status

Nein, alleiniges Verkehrsmittel ist das Auto in Zukunft nicht mehr. Von diesem Gedanken muss sich die Branche verabschieden. Ein Bedeutungsverlust der automobilen Mobilität ist dennoch nicht zu befürchten. Im Gegenteil. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstitut Puls hat ergeben, dass die Auto-Intensivnutzer sogar zunehmen und dabei auch neue Zielgruppen erschließen. Die größte Gruppe der neuen Auto-Intensivnutzer ist weiblich, und sie ist jünger, als es bei derzeitigen Auto-Intensiv-Nutzern oft der Fall ist.

Gefragt: Multimodale Konzepte

Künftige Autofahrer nutzen immer häufiger neben dem Auto weitere Verkehrsmittel, wie zum Beispiel Angebote des ÖPNV, Fernbusse, Bahn, Autovermietungen, Carsharing und auch Fahrräder. Sogenannte Freefloating Services, bei denen Nutzer keine vertraglichen Verpflichtungen eingehen und nicht an feste Standorte gebunden sind oder feste Laufzeiten in Kauf nehmen müssen, stellen einen immer größeren Anteil des multimodalen Mobilitätsmix dar.

Interessant ist, dass die verschiedenen Mobilitätsarten keine Konkurrenz füreinander darstellen, sondern im Gegenteil die Nutzung des gesamten Angebots-Mix insgesamt eher voranzutreiben scheinen.

Intensive Autonutzung, kombiniert

Das Auto wird umso wichtiger, je intensiver es mit anderen Verkehrsmitteln kombinierbar ist? Was erst mal paradox klingt, erklärt sich bei näherer Betrachtung: Der moderne Arbeits- und Lebensalltag erfordert zunehmend flexible On-Demand-Mobilitätsangebote wie Carsharing.

Der Besitz des eigenen Autos wird durch diese Angebote nicht abgelöst, sondern dem individuellen Bedarf entsprechend ergänzt. Automobilhersteller und Händler können daher andere Verkehrsträger ruhig als Kooperationspartner betrachten, nicht als Konkurrenz.

Elektromobilität für das Klima

Auch der Ausbau der Elektromobilität bei modernen Carsharing Services ist klar zukunftsorientiert und wird künftige Nutzer freuen. Eine Ende November 2015 in der Zeitschrift „Science“ veröffentlichte Erhebung des Karlsruher Instituts für Technologie hat ergeben, dass eine intelligente Integration von Elektro-PKW in den Mobilitätsmix, kombiniert mit dem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, eine deutliche Reduzierung der CO2 Emissionen bewirken kann, in relativ kurzer Zeit.

„Elektromobilität im großen Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden“, sagt Leitautor der Studie Felix Creutzig. Teil einer solchen groß angelegten Elektromobilität, so das KIT, seien insbesondere auch Carsharing-Konzepte, elektrische Fahrräder und der Schienenverkehr.