Mit einem effektiven Fluidmanagement lässt sich schnell ein beträchtliches Einsparpotenzial ausschöpfen. Trotzdem fristete das Thema auf Fachkongressen und Branchentreffs lange nur ein Schattendasein. Das mag daran liegen, dass dem Kühlschmierstoff heute vielfach noch zu wenig zugetraut wird, was die Beeinflussung des gesamten Herstellungsprozesses angeht.

Spezialisten setzen auf ganzheitliche Konzepte. Unter dem Begriff Lubrineering werden Lubricants, also Schmierstoffe, und Engineering, sprich das Prozesswissen, kombiniert. Schmierstoffhersteller wissen genau, welche Inhaltsstoffe wie miteinander kombiniert werden müssen, um optimal für die jeweilige Aufgabenstellung geeignet zu sein.

Kühlschmierstoffe sind sehr komplexe Produkte, die Chemiker oft individuell für einen ganz konkreten Einsatzzweck konzipieren.

Hinzu kommen die Kenntnis und die kontinuierliche Prüfung der Schmierstoffparamater. Permanente Informationen über pH-Wert, Konzentration oder Keimbelastung liefern den Anwendern die Grundlage für ein kurzfristiges Nachjustieren.

Aktuelle Analysen zeigen, dass durch Fluide beeinflusste Fertigungskosten so um fast ein Fünftel gesenkt werden können. Das Risiko, dass Maschinen ausfallen und ganze Produktionslinien zum Stillstand kommen, wird minimiert.

Vertrauen ist alles

Ganz am Anfang eines Fluidmanagement-Projektes gilt es, Vertrauen zwischen dem Anwender etwa aus der Automobilindustrie und dem Kühlschmierstoff-Spezialisten aufzubauen. Zu Gesprächen in sogenannten „Fluidrunden“ treffen sich am Kundenstandort Vertreter beider Seiten. Sie definieren gemeinsam Ziele und identifizieren Verbesserungspotenziale. Neben dem wichtigen Ziel der Kostenersparnis gewährleistet ein umfassendes Fluidmanagement vor allem eine sichere und flexible Produktion.

Jederzeit volle Kontrolle

Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Fluide jedoch ständig überprüft werden. Kühlschmierstoffe sind sehr komplexe Produkte, die Chemiker oft individuell für einen ganz konkreten Einsatzzweck konzipieren. Verändern sich im Laufe der Produktion die Eigenschaften des Fluids, muss sofort reagiert werden, um Schäden an den Maschinen oder den Produkten zu vermeiden. Entscheidend sind die vier Parameter Konzentration, pH-Wert, Leitfähigkeit und die Belastung durch Keime.

Speziell aus der Automobilindustrie und aus dem Maschinenbau kam immer stärker der Ruf nach einer ganzheitlichen Lösung.

Bislang gibt es für jede Größe eigene Messwerkzeuge. So wird die Konzentration durch ein sogenanntes Refraktometer gemessen, mit dem flüssige Stoffe durch die Brechung des Lichtes analysiert werden. Für Keime stehen wiederum sogenannte Dip Slides zur Verfügung, die im Labor untersucht werden müssen. Alle Messmethoden haben gemeinsam, dass sie nur punktuell wirken. Um Zeitreihen zu bilden, müssen die manuellen Untersuchungen genau getaktet und dokumentiert werden.

Industrie 4.0 im Fokus

Speziell aus der Automobilindustrie und aus dem Maschinenbau kam immer stärker der Ruf nach einer ganzheitlichen Lösung für die permanente beziehungsweise die Echtzeitüberwachung aller relevanten Kühlschmierstoff-Kenngrößen. Gleichzeitig eröffnet die digitale Einbindung in den Prozess mit den Optionen der Trenderkennung, der dezentralen Überwachung und der Integration im Rahmen von Industrie 4.0 zusätzliche Perspektiven.

Neueste Systemlösungen integrieren die Messmethoden, sodass alle vier Schlüsselparameter im geschlossenen Kreislauf überwacht werden.
Die Intervalle und die gewünschte Zusammensetzung der Schmierstoffe können Unternehmen individuell festgelegen. Während die Ergebnisse bei manuellen Messungen und Laboranalysen teilweise erst nach einigen Tagen vorliegen oder plötzliche Ausreißer auftauchen, zeigen sich in geschlossenen Systemen schon die kleinsten Fehlentwicklungen.

Die Mitarbeiter können dann sofort Gegenmaßnahmen einleiten. Der Kühlschmierstoff wird so zu einer fest kalkulierbaren Größe. Zudem sparen die Anwender bares Geld: Da alle wichtigen Informationen jederzeit zur Verfügung stehen, können sie den Einsatz von Konzentrat und Stellmitteln exakt berechnen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass deren Verbrauch so um bis zu zehn Prozent sinkt.