Dass das ganz so einfach auch wieder nicht ist, liegt auf der Hand. Das Drucken von Automobilen bedarf ausgefeilter Technologie und ist noch nicht ganz serienreif. Der erste Prototyp fährt allerdings schon auf den Straßen.

Neue Multimaterialdrucker machen es möglich

Im Rahmen des Projekts StreetScooter hat die RWTH Aachen ein Fahrzeug entwickelt, das es mit konventionellen Automobilen in Bezug auf Preis, Sicherheit, Nachhaltigkeit und realisierbare Leistung aufnehmen kann. Mit einem Gewicht von durchschnittlich 450 Kilogramm, 100 Kilometer Reichweite und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern ist der StreetScooter perfekt geeignet für den Einsatz in der Stadt.

Bahnbrechend ist, dass Teile der Karosserie aus einem großformatigen Multimaterial-3D-Drucker kommen. Von Front- und Heckpaneele über Stoßfängersysteme, Seitenschweller, Radkästen und Scheinwerferblenden bis hin zu Innenraumkomponenten – alle Kunststoffteile im Außenbereich wurden aus einem neu entwickelten, widerstandsfähigen Kunststoff gedruckt.

Bahnbrechende Entwicklung

Während der gesamten Entwicklungsphase wurde Objet1000 genutzt, der derzeit größte verfügbare Multimaterial-3D-Drucker, den die RWTH Aachen als erste Universität weltweit besitzt. In einem vollautomatischen Vorgang stehen in diesem Gerät 14 verschiedene Materialien und 120 Materialoptionen für jedes Bauteil zur Verfügung.

Große Bauteile im Ganzen druckbar

Durch die immense Größe der Bauplattform konnten Komponenten mit bis zu einem Meter Länge gefertigt werden. Das Automobil aus dem Drucker ist dabei strapaziösen Tests und Konstruktionsprüfungen ebenso gewachsen wie ein konventionell gefertigtes Fahrzeug. Besonders attraktiv: Die Bauteile werden im Ganzen gedruckt und können direkt in das Automobil eingesetzt werden.

Nur 12 Monate vergingen vom ersten Entwurf bis zum fertigen Prototypen, ein Zeitraum, der mit konventionellen Fertigungsverfahren unvorstellbar ist.

Nach Maß für den Kunden

Im Einsatz ist das finale Produktionsmodell des StreetScooters für die Deutsche Post AG als Lieferwagen und ist bereits in Deutschland unterwegs. Geplant sind weitere Modelle für Kleinfamilien oder auch maßgeschneiderte Firmenwagen für andere Auftraggeber. Ausgesprochen spannend ist übrigens nicht nur die Produktionsmethode, sondern auch der Preis.

Ziel ist, mit dem StreetScooter als Kleinwagenversion in Serie zu gehen und ihn für 5.000 Euro auf den Markt zu bringen. Ob der Preis gelingt? Wenn man Autos mit dem Drucker produzieren kann, geht sicherlich auch sehr bald das.