Konstrukteure haben heute im Automobilbau das Ziel, Gewicht und Kosten zu reduzieren, bei maximaler Sicherheit – keine leichte Aufgabe. Die Branche setzt auf innovative Materialien und Verarbeitungsverfahren. Man kennt es seit Langem aus der Luft- und Raumfahrt, heute wird es zunehmend im automobilen Leichtbau eingesetzt: Das Supermaterial Carbon hat herausragende Eigenschaften, was Festigkeit, Hitzebeständigkeit und Gewicht betrifft.

Doch die Herstellung ist aufwendig. In langwierigen Verfahren werden Kohlenstofffasern mit einem Kunststoff verbunden; es entsteht ein exklusiver Werkstoff, der in Form gebracht und weiterverarbeitet werden kann. Kenner schwärmen von der charakteristischen Beschaffenheit der Oberfläche, sie zeigt den Faserverlauf und die Textilstruktur.

Premiummaterial vom Fließband?

Durch den Herstellungsprozess ist Carbon derzeit noch nicht in einem Kostenbereich, der den Einsatz in der Massenproduktion ermöglicht. Gelingt es in naher Zukunft, die Herstellung zu optimieren und kostengünstige Verfahren zur Weiterverarbeitung zu standardisieren, kann das eine Revolution in der Automobilindustrie einläuten.

Doch bis dahin ist es noch ein gutes Stück Weg, im Vergleich zum Stahlmarkt ist der weltweite Absatz von Carbonfasern noch immer klein. In der Automobilindustrie stehen 1,3 Milliarden Tonnen Stahl und 40 Millionen Tonnen Aluminium pro Jahr der Verarbeitung von 6.000 Tonnen Carbon gegenüber.

Herausforderung für die Branche

Wenn Hersteller in naher Zukunft damit beginnen, Automobilteile aus Carbon in der Geschwindigkeit konventioneller Bauteile vom Band laufen zu lassen, wird sich diese Menge im Nu vervielfachen. Eine Herausforderung für die Logistik der Zulieferer – und so ganz einfach nicht zu realisieren.

Nicht nur die Produktion der Faser muss besonders günstig optimiert werden, sondern insgesamt die ganze Prozesskette, auch der Einbau der Carbonteile in ein Fahrzeug. Letzteres ist vom Kostenanteil sogar der größere Bereich.

Dieser Herausforderung wird sich die Automobilindustrie stellen müssen, auf der Seite der Hersteller sowie auch bei den Zulieferern. Darüber hinaus muss auch das Thema Recycling für Carbon kosteneffektiv überdacht werden.

Chance für die Industrie

Viele Chancen birgt ein neuer Ansatz: Wird Carbon statt wie bislang in duroplastischen Verfahren thermoplastisch hergestellt und geformt, lassen sich viele Prozesse beschleunigen, Verschnitte vermeiden und Kosten reduzieren. Sieht die Automobilindustrie schwarz für die Zukunft? Es ist Carbon, es ist zu wünschen.