Zudem beeinflussen Trends wie die zunehmende Individualisierung, autonomes Fahren und neue Mobilitätskonzepte Design und Fertigung im Fahrzeuginnenraum. Wie produzieren Zulieferer von morgen?

Zwischen 30 und 40 Prozent der Kosten für einen Fahrzeugsitz können auf die verwendeten Materialien des Bezuges entfallen – Autositze machen wiederum rund fünf Prozent der gesamten Fahrzeugkosten aus.

Ein optimierter Materialverbrauch ist hinsichtlich der Gesamtherstellungskosten von strategischer Bedeutung. Zudem muss der Zuschnitt immer flexibler werden, um auf neue Trends schnell reagieren zu können. Hohe Maschinenverfügbarkeit und Produktionskapazität bringen Effizienzgewinne. Nur so bleiben Zulieferunternehmen langfristig ein attraktiver Partner für OEMs.

Automatisierung und Digitalisierung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Industrie-4.0-Bausteine befinden sich bei modernen Lösungsanbietern schon jetzt im Portfolio. Im Internet of Things sind Zuschnittlösungen bereits heute für Wartung und Kontrolle mit dem Hersteller verbunden. Aktuelle Leistungsparameter der Maschinen werden automatischen Soll-Ist-Vergleichen unterzogen.

Das Serviceteam geht Warnmeldungen an, bevor es zu Produktionseinbußen oder einem Maschinenstillstand kommen kann. Die gesammelten Daten werden nach Big-Data-Prinzipien ausgewertet, Produktionsverantwortlichen zur Verfügung gestellt und für kundenspezifische Beratung und Schulungen genutzt.

Mit automatischen Zuschnittsystemen entfallen etwa teure und aufwändig herzustellende Stanzmesser.

Besonders die automobile Lederindustrie befindet sich im Wandel und orientiert sich zunehmend an anderen Automotive-Bereichen, in denen digitale Prozesse Alltag sind. Im Lederzuschnitt sind analoge Stanzprozesse noch weitverbreitet.

Dabei ist Leder-Interieur im Auto zunehmend gefragt. Experten sprechen von 25 Prozent Zuwachs bis 2020. Für Automobilzulieferer ergeben sich nicht nur in reifen Märkten, sondern vor allem in Wachstumsmärkten wie China und Indien neue Geschäftsmöglichkeiten.

Technologie kann für die Wertschöpfung bei Leder eine entscheidende Rolle spielen. Mit automatischen Zuschnittsystemen entfallen etwa teure und aufwändig herzustellende Stanzmesser. Ohne das Umrüsten der Stanzen wird die Produktion schneller und flexibler. Die neueste Generation von Zuschnittlösungen ist zudem in die digitale Wertschöpfungskette eingebunden.

Digitale Prozesse beginnen bereits vor dem ersten Prototyp und ziehen sich wie ein roter Faden bis zum Nähen und Konfektionieren des Bauteils. Unterstützende Technologie zur Qualifizierung und Digitalisierung der Lederhäute erfordert weniger qualifiziertes Personal, was einem regional auftretenden Fachkräftemangel teilweise kompensieren kann.

Jede Phase der Automotive-Wertschöpfungskette wird zunehmend digitalisiert. OEMs, Zulieferer und Gerber haben großes Interesse da-ran, die Herausforderungen des Wandels anzunehmen und die Digitalisierung auch in der Produktion automobiler Innenausstattung weiter voranzutreiben.
Redaktion, Volker Holt